Energie

Vattenfall-Chef: „Wir müssen Personal abbauen“

Das Abendblatt
traf Magnus Hall,
den Vorstandsvorsitzenden
von
Vattenfall, in der
Berliner Deutschland-Zentrale
des Konzerns

Das Abendblatt traf Magnus Hall, den Vorstandsvorsitzenden von Vattenfall, in der Berliner Deutschland-Zentrale des Konzerns

Foto: Amin Akhtar

Magnus Hall spricht mit dem Hamburger Abendblatt über das Deutschland-Geschäft und die Pläne mit dem Kraftwerk Moorburg.

Berlin.  Erst vor Kurzem hat der Energieversorger Vattenfall sein Braunkohlegeschäft hierzulande verkauft. Da stellt sich die Frage, wie wichtig Deutschland überhaupt noch für den schwedischen Konzern ist. Das Abendblatt sprach mit Vattenfall-Chef Magnus Hall über die Zukunft der Arbeitsplätze am Standort Hamburg, das Kohlekraftwerk Moorburg und die Entwicklung der Strompreise.

Hamburger Abendblatt: Vor einem Jahr sagten Sie, Vattenfall habe keine Pläne, Deutschland zu verlassen. Jetzt haben Sie das Braunkohlegeschäft verkauft, wickeln Atomkraftwerke ab, das Marktumfeld ist schwieriger. Bleiben Sie?

Magnus Hall: Deutschland ist neben Schweden und den Niederlanden einer unserer Kernmärkte. Auch nach dem Verkauf des Braunkohlegeschäfts ist die Belegschaft in Deutschland die größte im Konzern. Wir haben eine sehr gute Position bei der klimafreundlichen Fernwärme in Berlin und Hamburg, da wollen wir das Geschäft auf dieser Basis weiter ausbauen und gewinnen auch hier jährlich derzeit 30.000 Kunden hinzu. Wir investieren in Windparks, die zweite Offshore-Anlage in der Nordsee wird gerade gebaut. Der Vertrieb in Deutschland ist der größte im Konzern mit dreieinhalb Millionen Kunden. Wir betreiben das Stromnetz in Berlin, einer wachsenden Stadt, in der wir auch künftig tätig sein wollen. Mehrere Städte arbeiten an Plänen für Klimaneutralität, da können wir Lösungen anbieten. Und der größte Teil unserer Investitionen von drei Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren geht nach Deutschland. Kurz: Wir bauen aus.

Was ist mit den Steinkohlekraftwerken in Hamburg und Berlin?

Hall: Die Kraftwerke, die Stromproduktion mit Fernwärme verknüpfen, nutzen den fossilen Brennstoff sehr effizient. Diese Anlagen werden sich entwickeln: zunächst mit dem Brennstoff Kohle, dann mit Gas, dann mit nachwachsenden Brennstoffen. Dann ist das System klimaneutral. Das wollen wir bis 2050 erreichen.

Sie betreiben das neue Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg seit einem Jahr. Ist das noch Teil Ihrer Strategie?

Hall: Ja. Moorburg wurde für Kraft-Wärme-Kopplung geplant, und wir werben derzeit, die industrielle Wärme doch zu nutzen. Trotzdem ist das Kraftwerk auch jetzt schon ohne die Wärmeauskopplung wichtig, weil es zur Netzstabilität in der Region beiträgt und beim weiteren Ausbau der regenerativen Energien die unvermeidliche Volatilität von Windstrom ausgeglichen werden kann. Und außerdem: Im Vergleich zu einem alten Kohlekraftwerk ist Moorburg bei CO2-Emissionen 25 Prozent effizienter.

Wollen Sie Moorburg verkaufen?

Hall: Wir haben keine Pläne, es jetzt zu verkaufen, aber das könnte theoretisch irgendwann in Zukunft ein Thema werden, wenn jemand die Anlage effizient betreiben kann.

Zum Beispiel Uniper?

Hall: Ja, es gibt Konzerne wie Uniper, die sich darauf konzentrieren, konventionelle Kraftwerke zu betreiben.

Im Vergleich zählt Vattenfall zu den teureren Stromanbietern in Ihren Hauptabsatzmärkten Hamburg und Berlin. Verlieren Sie Kunden?

Hall: Nein. Tatsächlich gewinnen wir im Vertrieb neue Kunden. Sowohl bei Strom als auch Gas. Wir haben in Deutschland in den letzten drei Jahren über 500.000 neue Kunden außerhalb von Berlin und Hamburg dazugewonnen und haben jetzt deutlich mehr als 3.500.000 zufriedene Kunden. In Hamburg und Berlin haben wir einen stabilen Marktanteil von rund 70 Prozent, trotz mehreren hundert Wettbewerbern. Die Menschen schauen nicht nur auf den Preis, sondern auf den gesamten Wert dessen, was man bekommt. Dazu zählen auch Verlässlichkeit und Service.

Es gibt Hinweise, dass Vattenfall weiter Arbeitsplätze streichen will. Müssen sich Ihre Mitarbeiter Sorgen machen?

Hall: Das Energiegeschäft steht unter Druck durch die Energiewende. Wenn wir nicht Schritt halten und so effizient wie möglich arbeiten, wird weder Vattenfall noch irgendein anderes Energieunternehmen in der Lage sein, zu investieren und die Existenz für die nächsten 30 oder 50 Jahre abzusichern. Auch wir müssen die Zahl unserer Mitarbeiter perspektivisch verringern. Wir sprechen darüber mit unseren Beschäftigten und den Betriebsräten. Wir bauen Personal sozialverträglich ab, versuchen, die Leute beim Wechsel zu unterstützen.

Wie viele Jobs stehen zur Debatte?

Hall: Das haben wir noch nicht entschieden. Das hängt stark von der Entwicklung der Zukunftsthemen ab, über die wir gesprochen haben.