Youtube-Video

Krebs – früherer Piraten-Politiker bittet um Hilfe

| Lesedauer: 2 Minuten
Jens Meyer-Wellmann
Er organisierte die sogenannten "Fuck up nights" mit, in denen Menschen über ihr Scheitern sprachen: Claudius Holler (r.), neben Daniel Ploetz

Er organisierte die sogenannten "Fuck up nights" mit, in denen Menschen über ihr Scheitern sprachen: Claudius Holler (r.), neben Daniel Ploetz

Foto: Andreas Laible

Der Hamburger Claudius Holler hat ein bewegendes Video bei YouTube veröffentlicht. Er hat Krebs – und keine Krankenversicherung.

Hamburg. „Krebs ist ein Arschloch – hilfst Du mir?“ hat Claudius Holler das Video betitelt, das er am Dienstag aufgenommen hat, am Tag, an dem seine Ärztin nach seiner Schilderung bei ihm Hodenkrebs diagnostizierte. Einen Tag lang habe er mit sich gehadert, am Mittwoch habe er seinen fast 17-minütigen Hilferuf dann bei Youtube hochgeladen, sagte Holler dem Abendblatt.

Dass er dringend Hilfe brauche, hänge nicht nur mit der für jeden Menschen schockierenden Diagnose zusammen, schildert der Hamburger Spitzenkandidat der Piratenpartei von 2011 seine Lage in dem Video. Der 38-Jährige hat nach eigenem Bekunden auch noch ein weiteres Problem: Weil er sich nach einer unverschuldeten Beinahe-Pleite der mit seinem Bruder aufgebauten Firma selbst entlassen musste, habe er gerade jetzt keine Krankenversicherung. Nun aber stünden nicht nur eine Operation, sondern wohl auch eine Chemotherapie und mögliche weitere Behandlungen an. Und die Krankenkasse fordere 9000 Euro an Nachzahlungen, so Holler.

Zuletzt lief es bei dem umtriebigen Hamburger, der in der Hansestadt die „Fuckupnights“ ins Leben rief, bei denen Firmengründer ihr Scheitern schildern, offenbar auch selbst geschäftlich nicht gut. Nachdem er mit dem „Leetmate“ eine Art „Hackerbrause“ erfunden und zunächst erfolgreich vermarktet hatte, ging es zuletzt mit dem Projekt aus unterschiedlichen Gründen bergab, erzählt Holler in dem Video. Auch das Großprojekt von ihm und seinem Bruder, eine gemeinnützige Skaterbahn für Jugendliche in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern, drohe zu scheitern, wenn er nicht selbst wieder auf die Beine komme.

„Arschlöcher sind Rudeltiere“, resümiert Holler seine lange Pechsträhne – die nun in die Krebserkrankung gemündet sei. Deswegen bitte er um finanzielle Unterstützung – so peinlich ihm das auch sei.

„Kacke, ich weiß, wenn ich das veröffentliche, kriege ich gleich finstere Bauchschmerzen“, sagt Holler gegen Ende des Videos. „So intim an mich rangelassen“ habe er online bisher noch nie etwas. Diesmal aber sei er einfach auf Hilfe angewiesen, um wieder gesund zu werden. „Danke für jede Art der Unterstützung. Ich werde mich dafür revanchieren.“ Seine Kontodaten hat Holler unter dem Youtube-Video angegeben.

Binnen kurzer Zeit wurde der Hilferuf des in der Internet-Community gut vernetzten früheren Piraten-Politikers bei Facebook und Twitter tausendfach geteilt und das Video ebenso häufig angesehen.

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