Prognose

Hamburger Gabelstaplerbauer Jungheinrich vor Rekordjahr

Hans-Georg
Frey,
Vorstandsvorsitzender
der Jungheinrich
AG, sieht
den Konzern auf
einem guten Weg
zu vier Milliarden
Euro Umsatz im
Jahr 2020

Hans-Georg Frey, Vorstandsvorsitzender der Jungheinrich AG, sieht den Konzern auf einem guten Weg zu vier Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020

Foto: Roland Magunia / HA

Unternehmen erwartet mehr Umsatz und Gewinn. Sogar das Geschäft mit Russland zieht wieder an. Ein Titel könnte aber verlorengehen.

Hamburg.  Im vergangenen Jahr glänzte Jungheinrich mit Rekordwerten bei den relevanten Unternehmensdaten: Umsatz, Gewinn, Auftragseingang stiegen im zweistelligen Prozentbereich, nur der Gewinn nach Steuern (plus 9,5 Prozent) verfehlte knapp eine zweistellige Zahl vor dem Komma. So erfreulich Rekordjahre für ein an der Börse notiertes Unternehmen sind, so gefährlich können sie sein. Denn die Anleger gewöhnen sich schnell an Rekordwerte und hohe Wachstumsraten – und werden nervös, wenn sie im Folgejahr nicht wieder erreicht werden.

Doch das muss das Management in der Konzernzentrale am Friedrich-Ebert-Damm in Wandsbek derzeit nicht befürchten. Nach den ersten beiden Monaten 2016 deutet einiges darauf hin, dass der Gabelstaplerbauer und Anbieter von Logistiksystemen auch 2016 Rekordwerte erwirtschaftet. „Jungheinrich setzt den Wachstumskurs mit einem sehr guten Start in das Jahr weiter fort“, sagte Vorstandschef Hans-Georg Frey am Mittwoch im ersten Ausblick während der Bilanzpressekonferenz. Die Anleger honorierten das. Der Kurs der Vorzugsaktien stieg am Mittwoch bis Handelsschluss leicht auf 77,38 Euro – stärker als der MDAX

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres setzte der Konzern 432 Millionen Euro um – zehn Prozent mehr als im selben Zeitraum 2015. Im zweistelligen Bereich höher als ein Jahr zuvor war auch der Wert der neuen Aufträge (469 Millionen Euro), die Fahrzeugproduktion (15.100) und der Auftragsbestand (477 Millionen Euro). Vorstandschef Frey erwartet nun, dass der Jahresumsatz bei 2,9 bis 3 Milliarden Euro (Vorjahr 2,75 Milliarden) liegen wird, das Ebit, das operative Ergebnis vor Steuern und Abgaben, bei 220 bis 230 Millionen (213 Millionen). Bei Prognosen stapelt man bei Jungheinrich allerdings lieber ein bisschen tief, um sich im Laufe des Jahres nach oben zu korrigieren. 2015 war es so.

Die Hoffnung auf ein weiteres Jahr mit starkem Wachstum ist auch deshalb groß, weil im europäischen Markt, auf dem Jungheinrich fast 90 Prozent seines Umsatzes macht, die Nachfrage deutlich wächst. Sogar aus Russland, wo das Geschäft 2015 einbrach, gab es zum Jahresstart ein Auftragsplus in Höhe von 32 Prozent.

„Wir sind auf einem guten Weg, das Ziel von vier Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020 zu erreichen“, sagte Vorstandschef Frey. Einen wachsenden Beitrag soll der Bereich Logistiksysteme leisten. Jungheinrich bietet auch komplette Inneneinrichtungen hochautomatisierter Lager an. Dieses Geschäftsfeld solle in vier Jahren etwa 700 bis 800 Millionen Euro – also bis zu 20 Prozent – zum Gesamtumsatz beitragen, sagte Frey. Weil der Konzern die Software für den Betrieb der Lagertechnik liefert, kann er Kunden langfristig an sich binden. Lukrative Wartungs- und Serviceverträge spielen auch im Gabelstaplergeschäft eine zunehmend größere Rolle. Fast 40 Prozent der produzierten Fahrzeuge werden verleast – ein Wartungsvertrag gehört dazu. Mittlerweile sind 4200 der weltweit nun 14.000 Mitarbeiter als Servicetechniker im Einsatz.

Den Titel drittgrößter Gabelstaplerbauer der Welt könnten der Wandsbeker aber verlieren. In Asien zeichnet sich die Fusion zweier Hersteller ab, die zusammen mehr als drei Milliarden Umsatz hätten. Weil beide Seiten aber erst jüngst aus Zusammenschlüssen entstanden sind, ist Jungheinrich-Chef Frey nicht bange. „Um eine solche Fusion zum Erfolg zu führen, muss man sich zwei Jahre lang sehr intensiv mit sich selbst beschäftigen. Wir werden uns in diesen zwei Jahren sehr intensiv mit Kunden beschäftigen.“