"Weisse Wölfe Terrorcrew"

"Klare Kante": Grote freut Verbot von Neonazi-Gruppe

Ein Aufmarsch der "Weissen Wölfe Terrorcrew" 2013 in Berlin

Ein Aufmarsch der "Weissen Wölfe Terrorcrew" 2013 in Berlin

Foto: Imago/Christian Mang

Innenbehörde der Hansestadt bereitete Verbotsverfahren maßgeblich vor. Rädelsführer kommt aus Hamburg. Mehrere Vorfälle seit 2008.

Berlin/Hamburg. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat am Mittwoch den rechtsextremistischen Verein "Weisse Wölfe Terrorcrew" (WWT) verboten. Bei Durchsuchungs- und Beschlagnahmemaßnahmen gegen führende Mitglieder in zehn Bundesländern seien neben Datenträgern, Bekleidung und Propagandamaterial auch Waffen gefunden worden, sagte de Maizière in Berlin. Der "harte Kern“ des Vereins umfasse rund 25 Personen, der Rädelsführer stamme aus Hamburg. Dort wurde im Stadtteil Horn eine Wohnung durchsucht, wie ein Polizeisprecher in der Hansestadt sagte. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Nach Abendblatt-Informationen wurde die Verbotsverfügung am frühen Morgen dem mutmaßlichen Anführer Sebastian R. zugestellt.

Die „Weisse Wölfe Terrorcrew“ habe sich offen zu den Werten des Nationalsozialismus bekannt und Gewalt auf die Straße getragen, sagte de Maizière. Diese richte sich gegen politische Gegner, Zuwanderer und Flüchtlinge sowie gegen die Polizei. Der Innenminister verwies auf ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Bamberg wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen WWT-Mitglieder.

"Wir können noch nicht von einem Rechtsterrorismus sprechen“, sagte de Maizière, "aber wir werden jeden Ansatz dazu unterbinden“. "Bei Hass und Gewalt ist eine Grenze erreicht“, sagte der CDU-Politiker.

Grote freut sich über den Erfolg

Hamburgs neuer Innensenator Andy Grote (SPD) bezeichnete das Verbot, das maßgeblich von seiner Behörde mit vorbereitet worden sei, als "erfolgreichen und wirkungsvollen Schlag gegen verfassungsfeindliche Gewalttäter". Der Rechtsstaat habe damit erneut "klare Kante gegen jedwede Form extremistischer und krimineller Aktivitäten" gezeigt.

"Wer rassistisch motivierte Gewalttaten verübt, wer nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet, wer unsere freie und demokratische Gesellschaftsordnung beseitigen will, wird auch künftig mit allen Konsequenzen unserer wehrhaften Demokratie rechnen müssen", sagte Grote. Die "Weisse Wölfe Terrorcrew" hatte nach Angaben des Hamburger Verfassungsschutzes ihren Ursprung in der Hansestadt, bevor sie sich seit 2014 in ganz Deutschland ausbreitete.

Angriff am Hamburger Hauptbahnhof

Laut dem damaligen Verfassungsschutzbericht ist die „neonazistische“ Gruppierung bundesweit aktiv. Demnach waren Mitglieder unter anderem im Februar des Jahres an einem Angriff im Hamburger Hauptbahnhof auf Angehörige der linken Szene beteiligt. Nach der Attacke in einem Schnellrestaurant wurden bei bei den Angreifern, die den WWT-Sektionen Hamburg und Thüringen angehörten, Einhandmesser, Tierabwehrspray und Mundschutze sichergestellt.

Ursprünglich verstand sich die „Terrorcrew“ als Fangruppe der nordrhein-westfälischen Skinheadband „Weisse Wölfe“, wie es im Hamburger Verfassungsschutzbericht 2008 heißt. Gefürchtet wurde die Gruppierung, die innerhalb der rechten Szene keine große Rolle mehr spielen soll, vor allem wegen ihrer dunklen Kleidung, die sie schwer von dem sogenannten Schwarzen Block bei linksautonomen Demonstrationen unterscheiden ließen.

Weitere Vorfälle in Hamburg

Bereits 2009 hatte die Polizei in mehreren Bundesländern Wohnungen von Mitgliedern der „Weisse Wölfe Terrorcrew“ durchsucht. Den damals 23 Verdächtigen wurden unter anderem Verstöße gegen das Uniformverbotvorgeworfen. Bei den Durchsuchungen von 13 Objekten in Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen wurden unter anderem CDs, Computer und T-Shirts sichergestellt. Ein Jahr zuvor kam es zu einer Auseinandersetzungen zwischen rund 50 WWT-Anhängern und der Polizei, als diese eine Feier der rechtsextremisten im Wandsbeker Jacobipark auflöste.

In Hamburg war zuletzt 2013 eine Razzia durchgeführt worden, bei der in einer Langenhorner Kneipe 29 Mitglieder der "Weissen Wölfe" überprüft worden waren. Festnahmen hatte es damals keine gegeben. 2012 hatten zwei WWT-Sympathisanten zwei Fans von Altona 93 bezichtigt, sie beim Spiel der Hamburger Fußball-Oberliga bei Bergedorf 85 gewaltsam aus dem Stadion geworfen zu haben. In der Gerichtsverhandlung waren die Angeklagten zweieinhalb Jahre später vom Tatvorwurf freigesprochen worden. Die rechtsextremen Kläger hatten sich in Widersprüche verwickelt und waren dem Gericht wiederholt ferngeblieben.