Sexuelle Übergriffe

Grünen-Vize: Alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger

Michael Gwosdz und Anna Gallina nach der Wahl zu den neuen Landesvorsitzenden der Grünen in Hamburg

Michael Gwosdz und Anna Gallina nach der Wahl zu den neuen Landesvorsitzenden der Grünen in Hamburg

Foto: dpa/Bodo Marks

Michael Gwosdz, Hamburgs Grünen-Vize, äußerte sich Freitag auf Facebook im Kontext der sexuellen Übergriffe an Silvester.

Hamburg. Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Frauen in Hamburg und Köln hat der stellvertretende Hamburger Grünen-Vorsitzende, Michael Gwosdz, alle Männer als „potenzielle Vergewaltiger“ bezeichnet.

In einer Antwort, die er einer Frau auf Facebook per Direktnachricht zusandte und die dem Hamburger Abendblatt vorliegt, schreibt Gwosdz: „Als Mann weiß ich, jeder noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch ich. Wir Männer müssen uns dessen bewusst sein – nur dann sind wir auch in der Lage, erkennen zu können, wenn sexuelle Gewalt und Nötigung beginnt. (…) Wer das nicht für sich selbst akzeptiert, wird mit dem Erkennen von Grenzen Schwierigkeiten haben“, so Gwosdz, der seine Nachricht mit dem Kopf „Grüne Hamburg“ und der Unterschrift „Stellvertretender Landesvorsitzender“ zeichnete.

"Jeder Mann muss sich der Gefahr bewusst sein, Zeichen von Frauen falsch zu deuten"

Gwosdz bestätigte dem Abendblatt am Freitag die Echtheit des Textes, den er einer Frau in der Nacht von Donnerstag auf Freitag per Direktnachricht als Antwort auf deren Nachricht zugesandt habe. „Es geht mir keinesfalls um eine Relativierung der Taten in Köln und Hamburg“, sagte Gwosdz. „Die Täter müssen hart bestraft werden. Es geht mir darum, dass jeder Mann sich der Gefahr bewusst sein muss, Zeichen von Frauen falsch zu deuten und deswegen Grenzen zu verletzen. Ein Nein ist ein Nein. Das gilt übrigens auch für sexualisierte Gewalt von Männern gegen andere Männer.“

Gwosdz verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Grünen-Politikerin Stefanie von Berg kürzlich auf Facebook mit Mord- und Vergewaltigungsdrohungen vermutlich rechter deutscher Männer überzogen worden sei, nachdem die AfD eine Bürgerschaftsrede der Abgeordneten gepostet hatte.

In der Rede hatte von Berg davon gesprochen, dass es in 20 oder 30 Jahren keine ethnischen Mehrheiten in Hamburg mehr geben werde, und gesagt, dass sei "auch gut so".

Gwosdz' Antwort bei Facebook ging nachts um 1.36 Uhr an Frau R., die unter der Überschrift „Sexualrassismus“ an die frühere Grünen-Bundesvorsitzende und jetzige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth geschrieben hatte – mit Bezug auf deren Aussagen zu sexueller Gewalt.

Die Nachricht war offenbar irrtümlich bei den Hamburger Grünen gelandet. "Sehr geehrte Frau Roth, Sie sind der Meinung, dass die stattgefundenen gewalttätigen Übergriffe gegenüber Frauen ein ‚Männerproblem‘ sind“, heißt es in der Nachricht. "Ihre diskriminierende und beleidigende Äußerung ist rassistisch und ehrverletzend. Eine derartige Verallgemeinerung würden Sie im umgekehrten Fall niemals akzeptieren. Sie stellen damit ALLE Männer unter GENERALVERDACHT! Die vielen jungen Männer, die ich kenne würden es NIEMALS wagen einer Frau zu nahe zu treten, unabhängig davon in welch persönlich schwieriger Lage sich der eine oder andere auch befinden möge.“

Heintze übt scharfe Kritik

Mit dieser Kritik bezog sich die Schreiberin offenbar auf ein Interview von Claudia Roth in der „Welt“. Darin hatte Roth u.a. gesagt: "Es gibt auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Ein großer Teil der derzeitigen Empörung richtet sich aber nicht gegen sexualisierte Gewalt, sondern auf die Aussagen, dass die potenziellen Täter nordafrikanisch und arabisch aussehen."

CDU-Landeschef Roland Heintze übte jetzt scharfe Kritik an Gwodsz' Aussage. "Michael Gwosdz hat offenbar den Schuss nicht gehört oder will das, was passiert ist, aus seiner ideologischen Perspektive nicht wahrhaben", sagte Heintze dem Abendblatt. "Er muss sich fragen lassen, ob er der richtige Mann an der Spitze einer Regierungspartei ist, die Mitverantwortung für die Sicherheit der Hamburgerinnen und Hamburger trägt."

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