HWWI

Bringt Olympia Hamburg weiter nach vorn?

Henning Vöpel, Direktor des  Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts

Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts

Foto: Marcelo Hernandez

Hamburg belegt nur Platz acht im Ranking der 30 größten deutschen Städte des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts.

Hamburg.  Die Hansestadt holt bei ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf. In den vergangenen zwei Jahren hat Hamburg seine Position im wirtschaftlichen Städteranking des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und der Berenberg Bank verbessert. Die Stadt belegt unter den 30 größten Städten in diesem Jahr Rang acht. Vor zwei Jahren war sie noch auf dem elften Platz gelandet. „Die dynamische Entwicklung der Großstädte ist von großer Bedeutung, denn ihnen fällt die Rolle des Wachstumstreibers für ganze Regionen zu“, sagt Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg.

Hamburg punktet vor allem bei der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung bis 2030. Hier werden der Stadt mit einem Wachstum von mehr als fünf Prozent bessere Chancen eingeräumt als den anderen drei Millionenstädten Berlin, München und Köln. Noch wichtiger für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist der Anteil der unter 20-Jährigen, die um knapp vier Prozent zunehmen werden, denn von dieser Gruppe wird vor allem die weitere Geburtenentwicklung bestimmt. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Erwerbstätigen in Hamburg um 5,9 Prozent gestiegen. Die Experten rechnen mit einer Zunahme der Erwerbstätigkeit in der Hansestadt um 1,5 Prozent bis 2030. „Hamburg wächst, bleibt jung und schafft Arbeitsplätze“, sagt Peters.

Die Forscher des HWWI haben insgesamt 17 Kennziffern in drei Kategorien untersucht, die dann gleichgewichtet in das Ranking einfließen. Während Hamburg sich beim Demografieindex gut behaupten kann, liegt es beim Trendindex und dem Standortindex nur im Mittelfeld. Darin zeigt sich auch der Abstand zum Erstplatzierten München, der in allen drei Kategorien nicht schlechter als mit Rang vier abschneidet.

Der Trendindex untersucht die Veränderungen in der ökononomischen Leistungsfähigkeit anhand von Faktoren wie Erwerbstätigkeit und Produktivität. Der Standortindex berücksichtigt die Faktoren Bildung, Innovationsfähigkeit, Internationalität und Erreichbarkeit. Gemessen werden nicht absolute Werte, sondern wie stark sich die Städte in den einzelnen Positionen verändert haben. So können auch Städte wie Leipzig mit vergleichsweise geringer Wirtschaftskraft schnell aufsteigen, in diesem Ranking vom zwölften auf den dritten Platz.

„Bei den Standortfaktoren zeigt Hamburg mit Rang zwölf noch unausgeschöpftes Potenzial“, sagt Henning Vöpel, Direktor des HWWI. Spitzenwerte erreichte die Hansestadt beim Anteil der Absolventen mit Hochschulreife, der mit 50,6 Prozent der zweitbeste unter den 30 Städten ist. Auch der Anteil der Beschäftigten mit einem Hochschulabschluss konnte deutlich auf 19,6 Prozent gesteigert werden. Verbesserungsbedarf gibt es vor allem bei der Internationalität. Bei nur 11,1 Prozent ausländischer Studierender, erreicht die Hansestadt hier nur den fünftletzten Platz im Städtevergleich. Auch bei der Erreichbarkeit und der Reisezeit in internationale Metropolen kann Hamburg nicht mit anderen Städten mithalten. Von Hamburg braucht man immer noch länger in internationale Geschäftszentren als von Frankfurt oder Düsseldorf aus.

„Hamburgs Wirtschaft geht es gut, sie verliert aber relativ bei der Produktivitätsentwicklung, deshalb muss sich Hamburg stärker auf Branchen konzentrieren, in denen sich der technische Fortschritt fokussiert, wie etwa der Medizintechnik.“ Der Hafen sei zwar wichtig für die Stadt, aber er sei stark von der weltweiten Konjunktur abhängig und kein Produktivitätstreiber. Auch der Wissenschaftsstandort müsse gestärkt werden. „Olympia kann ein guter Hebel sein, um die Stadt mit Blick auf die Internationalität ein wesentliches Stück nach vorn zu bringen“, sagt Vöpel.

Sieger im Städteranking ist München, das den bisherigen Dauersieger Frankfurt abgelöst hat. Die Bankenmetropole ist stark vom Finanzsektor abhängig, der seit Längerem massive Probleme hat und folglich auch nicht mehr so viele Menschen anzieht. Berlin setzt seine Aufholjagd der vergangenen Jahre fort und erreicht den zweiten Platz. „Die Stadt zieht viele junge Leute an, und es ist gelungen, diese Dynamik auch in wirtschaftliche Effekte umzusetzen“, sagt Vöpel. Auch bei der Zahl der Erwerbstätigen verzeichnet die Hauptstadt die größte Dynamik. Aufsteiger des Jahres ist Leipzig. Die Stadt punktet mit einer jungen, wachsenden Bevölkerung und einer Zunahme der Erwerbstätigen um sechs Prozent.