Vor Olympia-Referendum

DOSB-Präsident: Flüchtlingskrise "zur absoluten Unzeit"

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (r.) neben Hamburg Bürgermeister Olaf Scholz und Nikolas Hill, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 am 9. September zur Kandidatur um die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2024 in der Hansestadt

DOSB-Präsident Alfons Hörmann (r.) neben Hamburg Bürgermeister Olaf Scholz und Nikolas Hill, Geschäftsführer der Bewerbungsgesellschaft Hamburg 2024 am 9. September zur Kandidatur um die Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2024 in der Hansestadt

Foto: Christian Charisius / dpa

Die Krise erschwere das Referendum, so Hörmann. Sporthallen dürften auch nicht dauerhaft für Flüchtlinge "zweckentfremdet" werden.

Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sieht in der aktuellen Flüchtlings-Krise in Deutschland eine Erschwernis für das Olympia-Referendum am 29. November in Hamburg. "Wir müssen mindestens 260.000 Hamburger dazu bewegen, dass sie den Weg für die Spiele freimachen. Das ist eine durchaus stattliche Herausforderung, die insbesondere (...) unter dem Aspekt der Flüchtlings-Krise noch einmal etwas schwerer zu finden ist", sagte Hörmann bei der Bundestrainer-Konferenz in Hannover.

Die Argumentation der Olympia-Gegner nach dem Motto: 'Haben wir denn überhaupt das Geld für so ein Projekt, gibt es jetzt nicht wichtigere Dinge zu tun?' sei eine, "die in weiten Teilen der Bevölkerung zumindest wahrgenommen wird", ergänzte der 55-Jährige. Für das Thema Olympia 2024 komme die Krise "zur absoluten Unzeit", meinte Hörmann. Er sehe aber auch die Chance, "das eine mit dem anderen wirkungsvoll" zu ergänzen: "So wie derzeit Flüchtlinge willkommen geheißen werden, wollen wir 2024 die gesamte olympische Sportfamilie willkommen heißen."

Beim Referendum in der Hansestadt muss eine einfache Mehrheit für die Austragung der Spiele her, zudem müssen 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit Ja stimmen - in Hamburg sind das etwa 260.000 von 1,3 Millionen Wahlberechtigten. Werden die Zahlen nicht erreicht, muss der Deutsche Olympische Sportbund die Bewerbung zurückziehen.

Hörmann bezeichnete darüber hinaus die Situation für den deutschen Sport in Zeiten der Flüchtlings-Krise als "große Herausforderung". Sorgen bereitet ihm dabei die zunehmende Umfunktion von Sportstätten zu Notunterkünften. "Wenn eine Sporthalle zwei, drei, vier Wochen nicht nutzbar ist, bricht ein Sportsystem noch nicht zusammen", sagte Hörmann. Wenn Sportinfrastruktur jedoch wie an mancher Stelle ohne Absprache dauerhaft "zweckentfremdet" werde und damit im Nachwuchs- und Spitzensport keine Zeit zur Reaktion verbleibe, könne Sportdeutschland "nicht die Form der aktiven Integration vollziehen, zu der der Sport zweifelsohne in der Lage ist".