Gute Tat mit Folgen

Hamburger Unternehmer in Dänemark als Schleuser verhaftet

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Mira Frenzel

Der erfolgreiche Geschäftsmann wollte seine Fahrt in den Schweden-Urlaub mit einer guten Tat verbinden – mit fatalen Folgen für ihn.

Hamburg. Er wollte einem syrischen Flüchtling einen Gefallen tun, nun sitzt der erfolgreiche Hamburger Unternehmer Kai S. in der dänischen Haftanstalt von Nakskov auf Lolland. Der Vorwurf: Er sei ein Schleuser. Am Wochenende wurde der 47 Jahre alte Familienvater in einem Schnellverfahren verurteilt.

Die schicksalhafte Geschichte von Kai S. beginnt am vergangenen Freitag. Er will ein paar Tage in Schweden verbringen. Ein Kurzurlaub im Norden. Da er mit dem Auto fährt, will S. einem der zahlreichen Flüchtlinge, die am Hamburger Hauptbahnhof auf ihre Weiterreise nach Schweden warten, anbieten, ihn mitzunehmen. Kostenfrei, wie sein Bruder, der Mediziner Götz S., gegenüber dem Abendblatt sagt. Schnell ist sich Kai S. mit einem der Flüchtlinge, der einen gültigen Reisepass zeigt, einig. Der Syrer steigt bei ihm ein.

Götz S.: „Mein Bruder ist ein sehr hilfsbereiter Mensch.“ Auf der Fähre vom schleswig-holsteinischen Puttgarden nach Rødby habe sein Bruder seinen Mitfahrer noch zum Mittagsessen eingeladen, so S. Die Männer ahnen nicht, was ihnen kurz darauf bei der Einreise widerfährt.

Urteil: 30 Tage Gefängnis und Einreiseverbot

Als sie gemeinsam im Auto des Hamburgers von der Fähre rollen, werden sie von dänischen Polizisten angehalten und kontrolliert. Kai S. wird kurzerhand festgenommen, kommt in Untersuchungshaft. Sein syrischer Beifahrer wird mit derselben Fähre zurück nach Deutschland geschickt. Götz S.: „Mein Bruder wurde 23 Stunden festgehalten, dann im Schnellverfahren verurteilt. Ein Anwalt und ein Dolmetscher sind anwesend. Das Urteil: 30 Tage Gefängnis, sechs Jahre Einreiseverbot für Dänemark. Es ist laut Götz S. das Mindestrafmaß. Dennoch fühlt es sich für den Mediziner wie Unrecht an.

Noch am selben Tag tritt Kai S. die Haft an. Götz S.: „Wir haben telefoniert, er hört sich gefasst an.“ Zwei Mal in der Woche darf der Hamburger für acht Minuten telefonieren. Ein Mal am Tag seine Einzellzelle verlassen und auf den Gefängnisfluren spazieren gehen.

Gegen das Urteil vorgehen, das wollen die Brüder nicht. Götz S.: „Wir haben einen dänischen Anwalt eingeschaltet, der uns davon abgeraten hat.“ Es würde die Sache nur verlängern, aber nicht helfen. Das hätten schon die Fälle einiger deutscher Taxifahrer im Grenzgebiet gezeigt, die Flüchtlinge nach Dänemark gefahren haben.

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