Hamburg

Ist uns der eigene Datenschutz egal?

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie sicher Ihre persönlichen Daten bei Ihrem Arbeitgeber, Arzt oder der Polizei sind? Wenn Sie jetzt denken „ziemlich sicher“, dann gehören Sie zu der großen Mehrheit der Bürger, die dies genauso sieht. So sprechen rund 90 Prozent Medizinern und Ordnungshütern ein großes Vertrauen aus, wenn es um die vertrauliche Behandlung persönlicher Daten geht. Auch am Arbeitsplatz verlassen sich die meisten von uns darauf.

Ähnlich vertrauensvoll sind wir gegenüber Krankenkassen, dem Gesundheits- und Meldeamt. Deutlich weniger Vertrauen genießen Versicherungen und der Versandhandel – auf sie verlassen sich nur zwei von fünf Hamburgern. Noch niedriger ist der Wert für Telefongesellschaften und Parteien, denen lediglich etwa jeder Vierte einen vertraulichen Umgang mit Daten attestiert. Damit schenken nur etwas mehr Hamburger den Volksvertretern ihr Vertrauen als Google und Facebook.

Drei Auffälligkeiten: Frauen vertrauen fast durchgängig stärker als Männer. Zweitens steigt mit dem Alter das Misstrauen kontinuierlich, und drittens vertrauen Haushalte mit einem höheren Einkommen eher als solche mit geringem Einkommen. Doch kann es in einem zunehmend digitalisierten Zeitalter überhaupt Datenschutz in angemessener Weise geben? Schauen wir uns dazu den eigenen Umgang mit persönlichen Daten an. Fast jeder zweite Hamburger hat einen Facebook-Account, doch kaum einer wird sich die Datenschutzregeln wirklich durchgelesen haben. Stattdessen posten wir aus unserem Leben.

Und wer war beim Onlineshopping nicht auch schon mal fahrlässig und hat persönliche Daten bei unbekannten Anbietern hinterlassen, in der Hoffnung, Produkte günstiger erwerben zu können? Auch Antivirenprogramme auf dem Computer werden von vielen nicht regelmäßig aktualisiert. Selbst Verträge überfliegen wir meistens nur.

Gleichzeitig nimmt die Datensammlung immer größere Dimensionen an. Wo im Supermarkt verweilen wir am längsten? Welche Produkte schauen wir an, welche stellen wir wieder zurück ins Regal? Wann und wo nutzen wir unsere Kreditkarte? Mit wem telefonieren wir? Auf welchen Internetseiten surfen wir? Ob gewollt oder ungewollt: Vieles ist über uns bekannt, passgenau werden wir mit An­geboten unterschiedlicher Produkte bombardiert. Ob personalisierte Werbung von Banken, Versicherungen, Autohäusern oder Kreditkartenunternehmen, sie erreichen uns sowohl per E-Mail als auch per Post. Wir hinterlassen überall digitale Spuren, und den meisten scheint dies egal zu sein.