Hamburg

Welthafenkonferenz: OECD warnt vor immer größeren Schiffen

Das Containerschiff
„CSCL Globe“
der Reederei China
Shipping am
Eurogate-Terminal
ist das größte
Schiff, das
Hamburg derzeit
anläuft. Es kann
19.100 Container
tragen und passt
kaum unter die
Ausleger der Containerbrücken

Das Containerschiff „CSCL Globe“ der Reederei China Shipping am Eurogate-Terminal ist das größte Schiff, das Hamburg derzeit anläuft. Es kann 19.100 Container tragen und passt kaum unter die Ausleger der Containerbrücken

Foto: picture alliance

Laut OECD sind die Einsparungen durch Riesen-Frachter geringer als gedacht. Zudem seien die großen Schiffe auch ein Sicherheitsrisiko.

Hamburg. Die wirtschaftlichen Vorteile riesiger Containerschiffe sind geringer als angenommen und nehmen immer weiter ab. Das ist das Ergebnis einer Studie der OECD, die am Dienstag bei der Welthafenkonferenz in Hamburg vorgestellt wurde. „Wir sind dicht dran an dem Punkt, an dem größere Schiffe keinen Sinn mehr ergeben“, sagte Olaf Merk, bei der OECD zuständig für Häfen und Schiffe und Autor der Studie. „Oder wir haben ihn bereits überschritten.“

Containerschiffe sind die Arbeitspferde der Globalisierung. Die größten Schiffe können gegenwärtig mehr als 19.000 Standardcontainer (TEU) tragen. Es sind jedoch schon Schiffe mit mehr als 21.000 TEU Tragfähigkeit bestellt und kommen bis 2017 auf den Markt. Treiber der Entwicklung sind die großen internationalen Reedereien, die mit den größeren Schiffen dramatische Kosteneinsparungen je transportierten Container erreichen können. Die OECD-Organisation ITF (International Transport Forum) hat erstmals untersucht, wie sich die Kosten der großen Schiffe über die gesamte Transportkette auswirken.

Überkapazität macht Kostenvorteile zunichte

„Rund 60 Prozent der Kosteneinsparungen bei den Großschiffen werden durch modernere Motoren erreicht, nicht durch die Größe“, sagte Merk. Zudem habe der Bestellboom bei den Großschiffen zu einer Überkapazität auf dem Markt und damit zu geringeren Erlösen der Reedereien geführt, was die Kostenvorteile zum Teil zunichte mache. Schließlich aber benötigten die Riesenfrachter Investitionen in höhere Brücken, tiefere und breitere Zufahrtswege, stärkere Kaimauern und größere Containerterminals. Diese Kosten, ebenso wie für Verkehrswege und -infrastruktur, müssten zum Teil aus Steuergeld bestritten werden. Die OECD-Organisation schätzt sie auf rund 400 Millionen Dollar jährlich.

Zudem werden die Riesenschiffe auch zum Sicherheitsrisiko, weil sie immer schwerer zu navigieren sind. Sollte ein solches Schiff einen Unfall haben oder gar samt Ladung versinken, so würde der Schaden vermutlich in den Milliardenbereich gehen. Mit der Studie will die OECD eine Debatte unter allen Beteiligten der Transportwirtschaft und der Politik um die Zukunft der Großschiffe anstoßen.

Rund 900 Experten bei Welthafenkonferenz

Die Welthafenkonferenz des Fachverbandes IAPH ist am Dienstag in Hamburg offiziell eröffnet worden. Die großen Schiffe standen auch bei der Eröffnungsveranstaltung im Mittelpunkt. Der Welthandel werde langfristig weiter wachsen und damit quasi automatisch auch Seehandel und Hafenwirtschaft, sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos).

Die Häfen weltweit beobachteten die rasante Entwicklung der Schiffsgrößen mit durchaus gemischten Gefühlen. Denn mit dieser Entwicklung würden die Häfen vor erhebliche Herausforderungen gestellt, sowohl was die nautische Erreichbarkeit der Terminals angehe wie auch die logistische Bewältigung der Umschlagmengen.

Rund 900 Vertreter von Hafenbehörden, Verbänden und Unternehmen sind in der Hansestadt zusammengekommen. Hauptthemen der Konferenz sind der effiziente und sparsame Umgang mit Ressourcen, Flächen und Energie. Zudem geht es um rechtliche Fragen, die Entwicklung des Welthandels, die Kreuzschifffahrt und die Luftreinhaltung. Die IAPH (International Association of Ports and Harbours) mit Sitz in Tokio repräsentiert 180 Häfen und 140 hafenbezogene Branchen in 90 Ländern. (dpa)