Digitalisierung

Schlaue Ampeln bringen Lkw staufrei durch den Hafen

NXP-Chef Kurt Sievers, Wirtschaftssenator Frank Horch, Sebastian Saxe von der HPA, Werner Gliem von der Logistik Initiative und Andreas Borgmann von Siemens (v.l.) vor der schlauen ampel. Diese hat die Anfahrt des Lkw bereits registriert und schaltet auf Grün. Am Ampelmast sind Funkempfänger angebracht

NXP-Chef Kurt Sievers, Wirtschaftssenator Frank Horch, Sebastian Saxe von der HPA, Werner Gliem von der Logistik Initiative und Andreas Borgmann von Siemens (v.l.) vor der schlauen ampel. Diese hat die Anfahrt des Lkw bereits registriert und schaltet auf Grün. Am Ampelmast sind Funkempfänger angebracht

Foto: Gregor Schlaeger

Weiterer Schritt zur digitalen Stadt. Ampeln kombiniert mit Chips schaffen grüne Wellen. Auch Fußgänger werden vom Funksystem erfasst.

Hamburg. Lange Staus vor roten Ampeln sollen im Hamburger Hafen bald der Vergangenheit angehören. Die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) hat heute mit dem Hamburger Chiphersteller NXP Semiconductors die erste intelligente Ampel im Hafen vorgestellt, die auf Fahrzeuge und Fußgänger reagiert und ihre Rotphasen auf deren Bedürfnisse ausrichtet. Ziel ist es, den Lkw-Verkehr flüssiger zu machen und Fußgänger schneller und sicherer durch das immer stärker befahrene Hafenareal zu leiten.

Das funktioniert über drahtlose Kommunikation: Fahrzeuge werden mit NXP-Chips ausgestattet. Fußgänger erhalten ein selbstklebendes Funketikett, das an der Tasche oder bei Kindern beispielsweise am Schulranzen angebracht werden kann. Diese Minichips werden von den intelligenten Ampeln erkannt und der Verkehr je nach Andrang gesteuert.

Nähert sich eine Lkw-Kolonne einer Kreuzung, meldet sich der kleine Rechner im Führerhaus digital bei der intelligenten Ampel an, um die Grünphase vorzuziehen oder zu verlängern. Zwischenstopps der Wagenkolonne werden vermieden. Zugleich werden die Fahrer auf einem kleinen Bildschirm im Fahrzeug darüber informiert, ob sie an der nächsten Ampel halten müssen oder weiterfahren können. So können sie ihre Fahrweise den Verkehrsvorgaben anpassen.

Nähern sich Fußgänger der Kreuzung, werden auch diese von der Ampel erfasst und eine Warnung per drahtlosen Funk in das sich nähernde Auto übermittelt. Der Fahrer weiß so, dass er auf Fußgänger besonders achten muss, er hat auch genug Zeit sich darauf einzustellen. Denn die sich nähernden Fahrzeuge werden schon einige 100 Meter vor der Kreuzung von der schlauen Ampel registriert. So weit reicht ein Funkempfänger, der am Laternenmast angebracht ist.

Technische Entwicklung senkt Kosten

Das System wurde am Donnerstag zunächst an der Kreuzung Kattwykdamm/Moorburger Elbdeich im südlichen Hafengebiet eingerichtet. Weitere Ampelanlagen sollen folgen. Die Verbindung zwischen der Funktechnologie von NXP und den Schaltanlagen der Ampel hat Siemens hergestellt.

Die Kosten des Projekts stehen noch nicht fest. Eines zeichnet sich aber ab: Es wird deutlich billiger als noch vor zehn Jahren, als Hamburg erstmals Kreuzungen an der Habichtstraße mit intelligenten Ampeln ausstattete. Allein in diesem kleinen Gebiet fielen Kosten von zusammen 2,4 Millionen Euro an. An eine Umstellung aller Straßen in der Stadt war damals nicht zu denken.

Seitdem sind die Kosten für die Chips extrem gesunken. „Die Umrüstung einer Ampel kostet etwa 200 Euro. Bei einer Anzahl von 500 Ampelknotenpunkten in der Stadt könnte man mit einer Million Euro alle Ampeln umrüsten“, sagt Lars Reger, Technikchef der Automotive-Sparte bei NXP.

Hinzu kämen natürlich noch die Kosten für das technische Zubehör und die Installation. Auch die Zusatzausstattung für die Lkw ist bezahlbar: „Wenn das Fahrzeug ein Gerät für die Autobahnmaut an Bord hat, sind die Kosten gering. Braucht ein Fahrzeug alles neu, liegen sie bei etwa 200 Euro“, so Reger.

„Smartport“ und „Digitale Stadt“ sollen Infrastruktur verbessern

Vorteil ist auch, dass die Rechner heute schneller sind. So scheiterte ein Ausweiten der schlauen Ampeln auf die ganze Stadt vor zehn Jahren auch daran, dass es keine Rechner mit ausreichender Leistung gab.

„Die Technik ist inzwischen fortgeschritten“, sagt Sebastian Saxe, Digital-Geschäftsführer der HPA. „Und wir haben schon das Ziel, das neue System auf die ganze Stadt zu übertragen. Deshalb ist es von Vorteil, dass das System auch Fußgänger registriert, das schafft mehr Sicherheit, beispielsweise vor Schulen.“ Für Saxe ist das neue System ein Baustein des Gesamtprogramms Smartport , bei dem alle Verkehrsträger im Hafen miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden sollen.

Für Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) ist das Experiment mit NXP ein Baustein für die Strategie „Digitale Stadt “, die der Senat ausgerufen hat. „Im Hafen werden nicht nur Container gezählt, sondern zukunftsweisende Ideen entwickelt“, sagte er bei der Besichtigung des Projekts. Horch verwies darauf, dass die Politik Antworten auf die wachsenden Verkehrsmengen geben müsse.

„Wir können eine leistungsfähigere Infrastruktur nicht nur in Stahl und Beton realisieren. Wir brauchen auch intelligente Verkehrslösungen, die gleichzeitig Sicherheit und Lebensqualität für die Menschen in der Stadt verbessern“, so der Senator weiter.

Einziger Wermutstropfen bei dem Projekt: Es ist nicht ganz neu. NXP hat es bereits in der Hafenstadt Singapur in Betrieb, wie Kurt Sievers, der Geschäftsführer von NXP in Deutschland einräumte. „Mit dem heutigen Tag zieht Hamburg aber mindestens gleichauf“, sagte er. Es freue ihn besonders, das Projekt in Hamburg zu realisieren. „Hier ist der Sitz unserer Deutschlandzentrale und NXPs wichtigster Standort für die Entwicklung intelligenter Fahrzeugvernetzung“, so Sievers.