Olympia-Bewerbung

Sportsenator erklärt: So geht es für Hamburg nun weiter

Michael Neumann hat als Innenund
Sportsenator maßgeblich die Hamburger
Olympiabewerbung betrieben. Am Mittwoch wird er 45 Jahre alt

Michael Neumann hat als Innenund Sportsenator maßgeblich die Hamburger Olympiabewerbung betrieben. Am Mittwoch wird er 45 Jahre alt

Foto: Christian Charisius/Archiv

Sportsenator will noch mehr Hamburger für die Sommerspiele in der Hansestadt begeistern. Seine künftige Rolle lässt er noch offen.

Hamburg.  An diesem Mittwoch feiert Michael Neumann seinen 45. Geburtstag. Die Partylaune vom Montag dürfte Hamburgs Sportsenator dann allerdings kaum toppen können. Im Abendblatt gibt das Gesicht der Hamburger Olympiabewerbung Einblicke in das, was die Stadt in den kommenden Monaten erwartet.

Hamburger Abendblatt: Herr Neumann, was war Ihr erster Gedanke, als DOSB-Präsident Alfons Hörmann Hamburgs Kandidatur bekannt gegeben hat?


Michael Neumann: Zunächst einmal große Erleichterung. Und dann war es eine Mischung aus Freude und dem Gefühl der Verantwortung, die wir nun für ganz Sportdeutschland tragen dürfen.

Gab es bei Ihnen in den vergangenen Monaten irgendwann Zweifel daran, dass Hamburg gegen Berlin gewinnen würde?
Neumann: Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass das Rennen entschieden wäre. Ich wusste, dass wir ein tolles Konzept und einen großen Rückhalt in der Bevölkerung hatten, und dass die Chancen gut wären, wenn wir das rüberbringen würden.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Hamburg Berlin ausstechen konnte?


Neumann: Zum einen, dass wir ein begeisterndes, schlüssiges Konzept haben. Kompakte Spiele am Wasser, im Herzen der Stadt – das hat viele überzeugt. Und zum anderen war es die Begeisterungsfähigkeit der Hamburgerinnen und Hamburger. Die Menschen waren in den vergangenen Monaten wirklich Feuer und Flamme. Das haben wir auch in unserer Präsentation transportieren können, obwohl es unglaublich schwer war, innerhalb von 15 Minuten auf zwölf Kriterien einzugehen und dann auch noch die Begeisterung darzustellen. Aber es scheint uns ordentlich gelungen zu sein.

Waren Sie vom Votum der Fachverbände auch überrascht? Es hieß, diese seien mehrheitlich für Berlin, nun haben 18 für Hamburg und nur elf für die Hauptstadt gestimmt.


Neumann: Das hat mich wirklich überrascht, auch wenn es am Sonntag auf der Sitzung der Fachverbände viele interessierte Nachfragen gab. Umso mehr habe ich mich über das Votum gefreut.

Haben Sie auch das Gefühl, dass viele Menschen nicht einmal ansatzweise ermessen können, was nun an Arbeit auf Hamburg zukommt?
Neumann: Wichtig ist, dass alle verstehen, dass die Empfehlung des DOSB-Präsidiums nicht der Zieleinlauf war, sondern der Startschuss für einen Marathon. Wir haben ein Zwischenziel erreicht, aber wir müssen uns weiter steigern. Es ist eine große Ehre und eine noch größere Verpflichtung, dass wir Deutschland nun auch international vertreten dürfen. Aber die Arbeit, die beginnt jetzt erst richtig.

64 Prozent Zustimmung der Hamburger zu Spielen in der eigenen Stadt sind ein guter Wert, aber das Referendum hat man damit noch nicht gewonnen.


Neumann: Stimmt. Deshalb werden wir in den kommenden Monaten sehr viel Energie aufbringen, um den Hamburgerinnen und Hamburgern unser Konzept näherzubringen. Es sind schon viele begeistert davon, aber ich bin zuversichtlich, dass wir noch viel mehr Menschen begeistern können. Das geht, indem wir sehr viel erklären, indem wir die Bevölkerung einbinden und ihr Know-how und ihre Kritik nutzen, um unser Konzept noch besser zu machen. Olympia bringt die ganze Stadt in allen Bereichen nach vorn, das müssen wir nun allen begreiflich machen.

Was sind auf diesem Weg die nächsten Schritte in den kommenden Tagen?


Neumann: Zunächst einmal warten wir die Entscheidung der DOSB-Mitgliederversammlung am Sonnabend ab, dann werden wir mit ganzer Kraft loslegen. Wir werden aber schon an diesem Dienstag erste Gespräche mit dem DOSB und anderen Partnern führen.

Durch die nationale Kraft der Bewerbung wird neues Personal nach Hamburg kommen, es werden Botschafter für die Spiele gesucht. Haben Sie schon Vorstellungen, wie ein Olympiateam aussehen soll?


Neumann: Die Klitschkos haben sich als Botschafter ja bereits angeboten. Aber ich halte es grundsätzlich für den besseren Weg, die Kandidaten persönlich anzusprechen, als den Weg über die Medien zu suchen. Fakt ist, dass wir ein schlagkräftiges Team aufstellen müssen und werden.

Welche Position werden Sie in diesem Team bekleiden? Viele sehen Sie als den perfekten Chef einer Olympia-Bewerbungs-GmbH an.
Neumann: Um im sportlichen Bild zu bleiben: Das Team stellt der Trainer auf, und dies ist der Bürgermeister.

Dann zum Abschluss vielleicht noch ein paar Sätze zum Mitbewerber.


Neumann: Ich möchte den Berliner Kollegen zu ihrer großartigen Performance gratulieren. Ich habe zwar kein schlechtes Gewissen ob der Entscheidung, aber ich habe großen Respekt davor, was Berlin geleistet hat. Ich weiß von Michael Müller, dass sich unsere Hauptstadt jetzt voll hinter unsere Bewerbung für Deutschland stellt.