Bertini-Preis

Diese Jugendlichen sind ein Vorbild an Zivilcourage

Im Ernst-Deutsch-Theater wurden die diesjährigen Bertini-Preise verliehen. Aydan Özoguz (SPD) hielt die Laudatio. Die Erich-Kästner-Schule ist unter den Preisträgern.

Hamburg. Knapp zwei Monate nach dem Tod von Ralph Giordano sind am Dienstag in Hamburg die Bertini-Preise an junge Menschen mit Zivilcourage verliehen worden. „Ganz im Sinne von Ralph Giordano sorgt ihr dafür, dass wir weder unsere Geschichte vergessen, noch unsere Menschlichkeit“, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), in ihrer Laudatio im Ernst Deutsch Theater.

Insgesamt acht Projekte wurden in diesem Jahr mit dem Preis ausgezeichnet, dessen Namen auf den Roman „Die Bertinis“ von Ralph Giordano zurückgeht. Darin schildert er das Schicksal seiner Familie unter der NS-Diktatur in Hamburg. Der Schriftsteller war bis zu seinem Tod im Alter von 91 Jahren Ehrenvorsitzender.

Das Motto des Preises: „Lasst euch nicht einschüchtern!“

„Ich glaube, dass uns die Entwicklungen der letzten Wochen vor Augen geführt haben, dass Zivilcourage, dass „Gesicht zeigen“ in unserer Gesellschaft dringender denn je gefordert ist“, sagte Özoguz. Im Bertini-Preis lebe Ralph Giordano weiter. „Sein Vermächtnis und seine Botschaften leben weiter. Und zwar auch und gerade mit den Preisträgerinnen und Preisträgern.“ Angesichts des Terrors in Paris oder anderswo dürfe die Meinungs- und Demonstrationsfreiheit nicht beschnitten werden. „Wir lassen uns nicht einschüchtern! Genau das ist die Botschaft des Bertini-Preises: „Lasst euch nicht einschüchtern!““

Unter den ausgezeichneten Projekten nannte die Politikerin beispielhaft das Projekt „Zäune einreißen“ der Erich-Kästner-Schule in Hamburg-Farmsen. Die Schüler hatten erforscht, was sich – getrennt durch einen Zaun – auf dem Nachbargelände ihrer Schule in der Zeit des Nationalsozialismus abgespielt hat: Dort war ein Versorgungsheim für „sozial schwierige und asoziale Insassen“, in dem die Menschen auch Zwangsarbeit verrichten mussten. Heute ist neben der Schule eine Unterkunft für Flüchtlinge, für die die Schüler Freizeitangebote und Hausaufgabenhilfe organisieren. „Ich bin mir sicher, dass es genau das ist, was Ralph Giordano mit der Öffnung der Herzen, Eurer Herzen, unser aller Herzen für Zivilcourage gemeint hat.“

Die Auszeichnungen werden alljährlich am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus überreicht. Bisher wurden 96 Gruppen und Einzelpersonen mit den Ehrungen gewürdigt. Giordano selbst, der bis zu seinem Tod im Alter von 91 Jahren Ehrenvorsitzender war, sagte einmal über den Bertini-Preis: „Es zählt zu den Wundern meines Lebens, dass ich ein Buch geschrieben habe, das zu einer Hamburger Institution führte, die sich um den Mitmenschen kümmert. Schöneres kann es nicht mehr geben.“