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Verwandelt Frost Hochwasserflächen im Norden in Eis-Seen?

Das Weihnachtshochwasser in Schleswig-Holstein war das schwerste seit Jahrzehnten. Die Lage hat sich entspannt, die Pegelstände gehen zurück. Doch nun fürchten die Rettungskräfte einen Kälteeinbruch.

Hamburg/Kiel. Die Wasserstände in den überschwemmten Gebieten von Hamburg und Schleswig-Holstein sind am Freitag weiter zurückgegangen. In Kellinghusen (Kreis Steinburg) habe die Feuerwehr ihre Einsätze beendet, teilte ein Sprecher der Feuerwehrleitstelle mit. In Wrist (Kreis Steinburg) müsse noch eine Fläche von 300 Hektar freigepumpt werden. Die meisten Rettungskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) konnten ihre Ausrüstung wieder einpacken. Nur vereinzelt mussten noch Keller leergepumpt oder mit Sandsäcken gesichert werden.

Allein im Bereich der Leitstelle Holstein verzeichnete die Feuerwehr seit dem 23. Dezember 130 wetterbedingte Einsätze, von denen einige mehr als 48 Stunden dauerten. Zum Beispiel in Geschendorf, wo ein Wohngebiet überspült zu werden drohte und zwei Feuerwehren von Dienstag bis Donnerstag dagegen anpumpten. Etliche Keller wurden überflutet, andere mit Sandsäcken gesichert. Viele Straßen waren unpassierbar. Eine Bilanz der Schäden und Einsätze wird erst in den nächsten Tagen vorliegen.

Nach tagelangem Dauerregen hatten viele Flüsse in Schleswig-Holstein und Hamburg extrem hohe Pegelstände erreicht. „Die Situation war sehr außergewöhnlich“, sagte Florian Gottschalk vom THW in Norderstedt. Zwar gebe es gelegentlich regionale Überschwemmungen, aber dass flächendeckend fast alle kleineren Flüsse in Schleswig-Holstein Hochwasser führen und auf Dämme und Deiche drücken, sei sehr selten. Ähnliche Lagen habe es zuletzt 1978 und 1954 gegeben.

Wasserflächen könnten gefrieren

An der Schmalfelder Au sprachen Anwohner von der angespanntesten Hochwasserlage seit mindestens 50 Jahren. Die Pegelstände von Krückau, Pinnau und Stör hatten in den vergangenen Tagen die höchsten dort je gemessenen Werte erreicht. Die Treene führte so viel Wasser wie statistisch gesehen nur alle 200 Jahre. Gefährdet waren auch die Anwohner des Alsterlaufs, entlang der Ammersbek, der Susebek und der oberen Bille. In Wrist drohte das Wasser des Flüsschens Bramau eine Gasverteilerstation zu überfluten.

In Hamburg blieben die Wasserstände laut Feuerwehr in der Nacht zum Freitagweitgehend stabil. Im nordöstlichen Stadtrand seien am Alsterverlauf die Pegelstände innerhalb der vergangenen 24 Stunden teilweise um 20 bis 30 Zentimeter zurückgegangen. Die offizielle Hochwasserwarnung der Innenbehörde wurde zurückgenommen.

Auf den Feldern und Wiesen Schleswig-Holsteins stehen nun große Wasserflächen, die bei einem Frosteinbruch gefrieren könnten. Das würde neue Probleme nach sich ziehen, sagte Gottschalk. „Wenn der Frost die nächsten Tage anhält, könnte er unsere Wasserpumpen in Mitleidenschaft ziehen oder die Wassermassen in Eis-Seen verwandeln.“

Die Vorhersagen der Wetterdienste sagen allerdings für die betroffenen Regionen zunächst trockenes Wetter und Temperatur knapp oberhalb des Gefrierpunktes voraus, so dass sich die Lage in den Hochwassergebieten weiter entspannen sollte.