Sierra Leone

Ebola-Einsatz: Hamburger Arzt berichtet von grässlicher Not

In Sierra Leone steigt die Zahl der Ebola-Fälle weiter an. Der Hamburger Tropenmediziner Stefan Schmiedel war dort für Ärzte ohne Grenzen im Einsatz – und berichtet von unerträglichem Leid.

Hamburg. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen klagt, sie müsse eine zu große Last bei der Ebola-Hilfe in Westafrika tragen. „Die internationale Hilfe hat uns eine Verantwortung aufgebürdet, die wir nicht wollten und die eigentlich nicht akzeptierbar ist“, sagte Frank Dörner von Ärzte ohne Grenzen am Dienstag in Hamburg.

„Wir sind nicht die Weltnothilfeorganisation.“ Dörner war bis Anfang Dezember einen Monat lang medizinischer Koordinator der Hilfsorganisation in Sierra Leone. Er kritisierte zudem, das Interesse an der Situation im Epidemiegebiet lasse in der Politik und in den Medien deutlich nach - dabei stiegen die Infektionszahlen etwa in Sierra Leone weiter. Ebola sei dort keinesfalls unter Kontrolle.

Mehr als 1280 Ebola-Fälle behandelt

Die Organisation hatte in Sierra Leone am Montag ein viertes Behandlungszentrum eröffnet. Die Helfer hätten in dem westafrikanischen Land bisher mehr als 1280 bestätigte Ebola-Fälle behandelt, hieß es bei Ärzte ohne Grenzen. 547 Patienten seien an dem Virus gestorben.

Auch der Hamburger Tropenmediziner Stefan Schmiedel war für die Hilfsorganisation in Sierra Leone. Grässliche Not, bestürzend schlechte Bedingungen – so beschrieb er seinen 20-tägigen Einsatz in einem Ebola-Behandlungszentrum in dem Krisengebiet.

Größte Herausforderung: die psychische Belastung

„Man kann die Menschen kaum in ihrem Leid so versorgen, dass man zufrieden sein kann.“ Die psychische Belastung sei die größte Herausforderung gewesen. „Zu sehen, wie die Menschen sterben müssen und unter welchen Umständen sie sterben müssen – das ist für uns kaum erträglich“, erklärte Schmiedel.

Am schlimmsten sei es jedoch für die rund 1100 lokalen Mitarbeiter, die sich seit Monaten jeden Tag mit dem Leid auseinandersetzen müssten. Schmiedel war verantwortlich für die Therapie des ersten Ebola-Patienten in Deutschland. Der Mann aus dem Senegal war fünf Wochen auf der Sonderisolierstation des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt worden, Anfang Oktober wurde er geheilt entlassen. Für die ehrenamtliche Arbeit in Sierra Leone hatte sich Schmiedel nach eigenen Angaben vier Wochen Urlaub genommen.