Radtour oder Demo?

Polizei ermittelt nach „Critical Mass“ in Harburg

Laut Medienberichten sollen zwei Zeugen nach der ersten Critical Mass in Harburg als Zeugen vor Gericht vorgeladen werden. Es werde wegen „Abhaltung einer nicht angemeldeten Versammlung“ ermittelt.

Hamburg. Jeden letzten Freitag im Monat findet in Hamburg die „Critical Mass“ statt. Dann treffen sich 3000 bis 5000 Fahrradfahrer in der Hansestadt und radeln gemeinsam durch die City.

Seit dem letzten Freitag im August findet nun auch in Harburg diese „kritische Masse“ statt. Ein Teilnehmer kritisiert die Situation für Zweiradfahrer in Harburg: "Der Bezirk Harburg gehört zu den rückständigsten Bezirken in Hamburg in Sachen Infrastruktur für Radfahrer. Fahrradstraßen gibt es hier nur als Papiervorlage, wenn überhaupt. Wer aus Richtung Hamburg-Wilhelmsburg über die Alte Elbbrücke mit dem Rad kommt, hat das Gefühl, dass am anderen Ende der Brücke der "Fahrrad-Balkan" beginnt."

An dieser Tour nahm laut einem Bericht der „Mopo“ auch Hans Dittmer aus Rönneburg teil. Wenige Tage später soll der Bankkaufmann Post vom Landeskriminalamt bekommen haben. Es werde wegen „Abhaltung einer nicht angemeldeten Versammlung“ ermittelt, so der Bericht.

Die Teilnehmer der Massen-Tour sehen diese aber nicht als Versammlung sondern als Ausflug, daher werde dieser auch nicht angemeldet. In der „taz“ bestätigt Karina Sadowsky von der Polizeipressestelle, dass nach jeder Critical Mass Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt werde.

Dittmer werde nun vor Gericht als Zeuge vorgeladen, weil er auf seinem Blog für den Start der Critical Mass in Harburg aufgerufen haben soll. Laut „taz“ werde noch ein zweiter Zeuge vorgeladen. Nun kann im Harburger Fall nicht ausgeschlossen werden, dass die Vorladung nur der erste Schritt ist und die Zeugen zu Beschuldigten einer Straftat werden.

Die Teilnehmer der Critical Mass wollen auf ihre Belange und Rechte gegenüber dem motorisierten Individualverkehr aufmerksam machen und setzen sich auch für eine bessere Planung von Radwegen in den Städten ein.

"Schließen sich mindestens 16 Radler zu einer Gruppe zusammen, gelten sie als geschlossener Verband.“ So der Paragraf 27 der STVO. Das bedeutet, die Fahrradfahrer gelten als ein einziger Verkehrsteilnehmer und dürfen auch nebeneinander fahren.