Stichprobe

Verein kritisiert verlotterte Verkehrsschilder in Hamburg

In einem Ranking von zwölf deutschen Großstädten landete Hamburg im hinteren Drittel. Der Schilderüberwachungsverein e.V. sieht ein erhöhtes Unfallrisiko. Auch den ADAC erreichen Beschwerden.

Hamburg. Verblasst, verbeult, verklebt mit Stickern: Etliche Verkehrsschilder in Hamburg sind offenbar in einem erbärmlichen Zustand. In einem bundesweiten Ranking von zwölf Großstädten, dass der neugegründete „Schilderüberwachungsverein e.V.“ aus Stuttgart erstellt hat, belegt Hamburg nur den achten Platz. Der Verein warnt vor einem Sicherheitsrisiko durch schlecht lesbare Schilder.

Nur in Frankfurt, Düsseldorf und Köln seien die Verkehrsschilder demnach noch schlechter lesbar. Den besten Zustand wiesen die Schilder in Dresden und Leipzig auf, Berlin erreichte Platz 7 im Ranking. Für den Vergleich begutachteten die Mitglieder des Vereins jeweils 100 Verkehrsschilder in den zwölf Städten, in unterschiedlichen Bereichen und Fahrtrichtungen. Anschließend wurden Schulnoten für die Erkennbarkeit und Lesbarkeit vergeben.

Veraltete und verblasste Schilder könnten vor allem bei Dunkelheit zu Unfällen führen, betont der Verein. Nach etwa zehn Jahren ist die Oberfläche der Schilder in der Regel abgestumpft, das Licht der Autoscheinwerfer wird nicht mehr ausreichend reflektiert. Vor allem ältere Verkehrsteilnehmer liefen Gefahr, die Schilder überhaupt nicht mehr wahrzunehmen, betont der Verein.

ADAC bemängelt fehlende Investitionen

Auch der ADAC registriert regelmäßig Beschwerden von Autofahrern über schlecht lesbare Schilder. „Dabei geht es meistens um Sticker, die über die Verkehrszeichen geklebt wurden“, sagte Sprecher Christian Hieff. Der vereinzelt schlechte Zustand der Schilder sei auch eine Folge der jahrzehntelang vernachlässigten Investitionen in die Hamburger Infrastruktur. In der Anschaffung kostet ein neues Straßenschild etwa 350 Euro, die Personalkosten für den Aufbau nicht inbegriffen.

Nach der Einschätzung des ADAC geht dennoch kein Sicherheitsrisiko von den verlotterten Schildern aus. „Im Gegenteil zeigen unsere Untersuchungen, dass Straßenschilder auch ablenken können und in vielen Fällen komplett überflüssig sind“, sagte Hieff. Der ADAC schätzt grob, dass es etwa 220.000 Verkehrsschilder in Hamburg gibt. Davon könnten mindestens 20 Prozent ersatzlos abgebaut werden. „Die Verkehrssicherheit würde dadurch eher erhöht als vermindert“.

Die Verkehrsbehörde verwies für eine Stellungnahme zunächst auf die Hamburger Bezirke, die selbstverantwortlich für den Aufbau von Straßenschildern sind. In absehbarer Zeit wird sich der Zustand der Verkehrszeichen in Hamburg deutlich verbessernm: Bei allen umfangreichen Sanierungsarbeiten werden in der Regel auch die Straßenschilder am Fahrbahnrand erneuert.