Zwischenruf

Ein Radweg, der keiner sein darf

Eine Glosse von Elisabeth Jessen

Unkraut müsste man sein und kein Fahrradfahrer! Für Löwenzahn, Brennnesseln, Breit- und Spitzwegerich und für jede Menge anderes Grünzeug gibt es nämlich ganz viel Platz am Verbindungsweg zwischen Garstedter Weg und Quadenweg in Niendorf, für Radler aber nicht mehr.

Frohgemut nahmen es die Anwohner der umliegenden Straßen zur Kenntnis, als der in die Jahre gekommene Asphaltstreifen weggerissen wurde. Endlich, so dachten wohl auch die Horden von Schülern aus dem Viertel, die jeden Morgen zur Schule radeln und nachmittags wieder zurück, endlich bekommen wir einen schönen, neuen, ebenen Radweg. Denn der Traum vom gleichberechtigten Nebeneinander von Radfahrern und Fußgängern, die nur durch einen Grasstreifen voneinander getrennt waren, war mitten in Niendorf seit vielen Jahren Wirklichkeit.

Doch dann passierte nichts mehr. Der Winter kam, der braune Erdstreifen lag nackt da, bis sich im Frühjahr das Unkraut breitmachte. Auf der Breite von etwa sieben Metern haben jetzt die Fußgänger zwei Meter Platz, Gras und Unkraut fünf. Der Bezirk Eimsbüttel schrieb als Antwort auf eine SPD-Anfrage, ein ausgewiesener Radweg sei dort nie gewesen.

Was denn bitte sonst? Ein Spazierweg für Pudel? Und die roten Pflastersteine am Anfang des Weges, waren die eine Art roter Teppich für Gassigeher? Die Schüler (und Erwachsenen), die einen Umweg in Kauf nehmen müssten, radeln nun auf dem zwei Meter breiten Gehweg – in friedlicher Koexistenz mit Fußgängern. Die örtliche Polizei droht aber ein Verwarngeld von 15 Euro an. Vermutlich müssen die Beamten das Geld zusammentreiben, das für die Sanierung des Radweges, der keiner gewesen sein soll, fehlte. Wenn sie es beisammenhaben, gibt es vielleicht einen.