Feuerdrama: Witwer darf bleiben

Härtefallkommission entschied im Fall Malik A. positiv. Seine Familie war beim Brand gestorben

Altona-Nord . Eine Brandstiftung hat sein Leben verändert, nun findet Malik A. das Gute im Schlechten: Der Mann, der bei einem Feuer im Februar Frau und Kinder verloren hat, darf in Hamburg bleiben. Das hat die Härtefallkommission am Donnerstag einstimmig entschieden. Jetzt wird die Kommission ein Ersuchen an die Behörde für Inneres stellen, die ihm dann eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erteilt. „Ich freue mich, dass wir ohne Diskussion ein einstimmiges Ergebnis erzielen konnten“, sagt der Vorsitzende Sören Schumacher (SPD).

Nach Abendblatt-Informationen hatte sich Innensenator Michael Neumann (SPD) persönlich für ein dauerhaftes Bleiberecht eingesetzt. Neben Bürgern, die Eingaben machen können (wie Malik A.s Cousin Iftikar M.), kann auch die Innenbehörde Vorschläge für Härtefallersuchen in die Kommission einbringen; das ist allerdings eine absolute Ausnahme. „Ohne das Ersuchen der Härtefallkommission hätten wir Herrn A. nicht helfen können“, so Behördensprecher Frank Reschreiter. „Es ist der einzige Weg, unabhängig von Rechtsvorschriften eine Aufenthaltserlaubnis erteilen zu können.“

Malik A. zeigte sich unmittelbar nach der Nachricht überglücklich. „Ich danke allen Beteiligten sehr für ihre Unterstützung“, sagte der 30 Jahre alte Pakistaner. Für ihn ist damit ein 16 Jahre dauerndes Verfahren beendet, in dem mehrere Asylanträge abgelehnt und seine Duldungen immer nur für befristete Zeiträume verlängert wurden.

Den Tag des Aufatmens wollte er mit Freunden und Verwandten feiern, mit einem Festessen und Überlegungen, wie er seine Zukunft gestalten kann. Wünsche und Vorstellungen dafür hat er bereits. „Ich möchte gerne in der Gastronomie arbeiten“, sagt Malik A. Erfahrungen hat er bereits. Um seinen Söhnen ein Vorbild zu sein, hatte er in den vergangenen Jahren etliche Praktika, die der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt dienen, absolviert. Unter anderem arbeitete er bei einem Pizzaservice, Geld hatte er damit aber wegen seiner Duldung nicht verdienen dürfen.

Momentan wohnt er mit seinem Bruder Zaheer, 28, in einer Wohnung in Harburg. Der hatte sofort nach seiner 17-monatigen Flucht aus Pakistan, die im vergangenen Jahr in Frankfurt endete, Asyl bekommen. Dass er, anders als sein Bruder Malik, sofort ein Bleiberecht erhielt, hängt mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zusammen. 2012 entschied er, dass die religiöse Zugehörigkeit zu den Ahmadiyyas, die in Pakistan verfolgt und diskriminiert werden, ein Grund für Asyl ist.

Die Geschehnisse der Nacht vom 5. Februar wird Malik A. nie vergessen. Aber er kann dem 13-Jährigen, der das Feuer im Treppenhaus der Asylunterkunft gelegt hatte, verzeihen. „Ich empfinde keinen Hass für ihn“, sagt er. Der Junge habe auch ein schweres Schicksal, schließlich habe er das Feuer am Todestag seines Vaters gelegt.

Das Leben in Frieden und Freiheit, das er seiner Familie ermöglichen wollte, muss er nun allein führen. Dazu gehört auch, dass er die Stadt verlassen kann. Bislang durfte er nur für die Beerdigung nach Pakistan ausreisen.

Die Anteilnahme an seinem Schicksal ist groß. Als das Abendblatt am Dienstag berichtete, dass sich die Härtefallkommission mit ihm befasst, stellte Doris Schröder-Köpf, Frau von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, den Artikel auf ihre Facebook-Seite. Auf die Berichterstattung vom Mittwoch hin meldeten sich viele Leser beim Abendblatt, um zu fragen, wie sie helfen könnten. Auch die Abendblatt-Initiative „Von Mensch zu Mensch“ unterstützt Malik A. bei dem Start in sein neues Leben mit einem Zuschuss.