Abitur

Grüne wollen Kompromiss mit G9-Initiative

Die Hamburger Grünen wollen auf die Volksinitiative für die Rückkehr zum G9-Gymnasium zugehen. Eine Einigung um jeden Preis soll es aber nicht geben. Das Abitur nach acht Jahren soll es weiter geben.

Hamburg. Die Grünen in der Hamburger Bürgerschaft lehnen die Forderung nach einer sofortigen flächendeckenden Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ab. Sie sind aber zu Kompromissen bereit. „Wir können uns vorstellen, dass die Gymnasien selbst über ihr Angebot entscheiden – acht oder neun Jahre“, sagte Fraktionschef Jens Kerstan am Dienstag. Der Wunsch einzelner Eltern dürfe für einen solchen weitreichenden Schritt nicht ausschlaggebend sein, fügte er mit Blick auf die Forderung der Volksinitiative „G9-Jetzt-HH“ hinzu.

Die Grünen plädieren für die Einrichtung Runder Tische in den Bezirken, an denen Vertreter aller Schulen der Region und der Behörden sitzen sollen. Die letzte Entscheidung soll jedoch der Schulbehörde vorbehalten bleiben. Die Schulexpertin der Grünen-Fraktion, Stefanie von Berg, erklärte, in jedem Bezirk sollte es ein Gymnasium mit G9 geben.

Sogenannte Y-Gymnasien, die wie in Schleswig-Holstein beide Wege zum Abitur anbieten, seien in Hamburg nicht möglich. Dies würde Klassenverbände auseinanderreißen sowie die Angebote einer zweiten Fremdsprache und der Profile (Fachrichtungen) in der Oberstufe einschränken. Nach ihrer Ansicht braucht es eine Steuerung, um eine tatsächliche Wahlfreiheit für Eltern und Schüler zu schaffen.

Inklusion als Bedingung

Von Berg warnte zugleich vor den Kosten der Umstellung. Würden alle 60 Hamburger Gymnasien zu G9 zurückkehren, entstünden nach einer bundesweiten Studie einmalig Baukosten von 180 Millionen Euro. Hinzukämen 400 000 Euro zusätzliche Mietkosten pro Jahr. In den ersten acht Jahren nach Wiedereinführung von G9 würde die Stadt Personalkosten sparen, dann kämen aber jährlich 21 Millionen Euro hinzu.

Für die Rückkehr zu G9 wollen die Grünen eine weitere Bedingung stellen: Das betreffende Gymnasium muss sich zur Teilnahme an der Inklusion bereiterklären, das heißt, es muss Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen.

Die Grünen, die 2010 als Regierungspartei mit ihrem Projekt der sechsjährigen Primarschule bei einem Volksentscheid scheiterten, haben nach eigenen Worten dazugelernt: „Derart grundlegende Reformen kann man nicht verordnen“, sagte von Berg. Es dürfe aber auch „keine Einigung um jeden Preis“ mit der Initiative „G9-Jetzt-HH“ geben. Der Schulfrieden und die Stadtteilschulen dürften nicht gefährdet werden.