Spendenaktion für Wohnprojekt mit Geld-zurück-Garantie

Verein will Ledigenheim Rehhoffstraße kaufen und umbauen

Neustadt. Sie wollen das Ledigenheim an der Rehhoffstraße als alternatives und gemeinnütziges Wohnprojekt erhalten. Jetzt erleben Antje Block und Jade Jacobs von der Nachbarschaftsinitiative Ros e.V. einen kuriosen Seitenwechsel bei ihren Verhandlungspartnern: Der Investor – einst als „Heuschrecke“ gefürchtet – steht mittlerweile voll hinter ihnen. Potenzielle Unterstützer wenden sich aber hinter ihrem Rücken mit Kaufgesuchen und eigenen Konzepten an den Investor.

Eigentlich hätte die Initiative bis Jahresende 300.000 Euro auftreiben müssen – als Eigenkapitalanteil für den Kauf des Hauses. Ihr Ziel ist nämlich, in dem 1928 errichteten Männerwohnheim ein neues Wohnprojekt zu etablieren. Es soll Studenten, Obdachlosen und den alteingesessenen Bewohnern, die dort teilweise seit Jahrzehnten wohnen, gleichermaßen offenstehen. Auf diese Idee hatte sich der Investor Core Property nach anfänglichem Zögern schließlich eingelassen.

Das dänische Unternehmen, das ursprünglich geplant hatte, in dem historischen Backsteinbau Single-Apartments einzurichten, spendete sogar 25.000 Euro (wir berichteten). Als absehbar war, dass die Initiative das Geld nicht rechtzeitig aufbringen kann, kam Core Property ihr entgegen, indem die Vorkaufsfrist verlängert wurde.

Doch kaum ist der Initiative diese Sorge genommen, taucht die nächste auf. „Das Projekt lockt Leute an, die nicht an einem Erhalt, sondern an einer Übernahme interessiert sind“, sagt Jade Jacobs. Eine Stiftung, ein Hamburger Mäzen und ein Immobilienentwickler hatten sich zunächst als Interessenten ausgegeben, sich aber nach ersten Gesprächen mit der Initiative mit eigenen Konzepten an den Investor gewandt.

Abgesehen davon sind Antje Block und Jade Jacobs ihrem Ziel, das Ledigenheim zu kaufen und mit einer Stiftung zu betreiben, schon ein gutes Stück nähergekommen. Rund 100.000 Euro, also ein Drittel der erforderlichen Summe, haben sie durch Kleinspenden zusammenbekommen. Außerdem dürfen Bewohner und Initiative mittlerweile bei der Auswahl der Mieter mitreden.

Früher gehörte es zu den Besonderheiten des Ledigenheims, dass die Hausgemeinschaft über neue Mitbewohner entschied. Im Zuge mehrere Eigentumswechsel fiel das weg, ebenso wie der regelmäßige Wäscheservice. Stattdessen kamen in den letzten Jahren zu den Seeleuten und Monteuren, die teilweise schon seit vielen Jahrzehnten in dem 120-Zimmer-Haus leben, etliche von der Sozialbehörde vermittelte Wohnungslose, die teilweise großen Unfrieden in die Hausgemeinschaft trugen. „Das wird jetzt langsam wieder besser“, sagt Jade Jacobs. Das liegt auch daran, dass teilweise ein Sozialarbeiter vor Ort ist.

Bezirk, Kommunalpolitiker und etliche Einrichtungen unterstützen das Vorhaben. „Es ist nach wie vor das spannendste Projekt in Hamburg-Mitte“, sagt Bezirksamtsleiter Andy Grote (SPD). „Wir werden unser Bestes tun, dazu beizutragen, dass es ungesetzt wird.“ Der Bezirk hat großen Einfluss: nicht nur durch die soziale Erhaltensverordnung und das Baurecht, sondern letztendlich auch durch das Vorkaufsrecht der Stadt.

Auf Antrag der SPD wurde auf der letzten Bezirksversammlung beschlossen, die Nachbarschaftsinitiative mit 36.000 Euro aus Bezirksmitteln zu unterstützen. „Wir haben uns zu dem Projekt bekannt, nun wollen wir auch ein Zeichen setzen“, sagt der Abgeordnete Arik Willner. 30.000Euro sollen dafür verwendet werden, Jade Jacobs und Antje Block beim Fundraising zu unterstützen. „Die beiden machen das neben ihren vielen anderen beruflichen und ehrenamtlichen Aktivitäten. Wir möchten ermöglichen, dass sich jemand professionell darum kümmert“, sagt Willner. Auch ein Teil der Umbaukosten soll mit dem Geld bezahlt werden.

„Das Gelingen wird nun davon abhängen, ob sich noch weitere kleine, vor allem aber auch große finanzielle Unterstützer melden“, sagt Jade Jacobs. Unter www.rehhoffstrasse.de wird über das Projekt informiert. Für Spenden steht bei der Kanzlei Klingner&Koll ein Treuhandkonto zur Verfügung (GLS Bank, IBAN DE22 4306 0967 2029 2864 00, BIC GENODEM1GLS; als Verwendungszweck bitte Kontaktadresse angeben). Kommt das Projekt nicht zustande, werden die Spenden spätestens Ende 2014 zurückgezahlt.