Lampedusa-Gruppe

Flüchtlinge fühlen sich von Kirche im Stich gelassen

Die Lampedusa-Gruppe in Hamburg kritisiert die Nordkirche, die dem Druck des Senats nachgegeben habe und den Vorschlag akzeptiert, dass die Flüchtlinge sich bei der Behörde registrieren lassen sollten.

Hamburg. Flüchtlinge der „Lampedusa-Gruppe“ in Hamburg haben in einem offenen Brief die Nordkirche kritisiert. Die Kirche habe dem Druck des Senats nachgegeben und die Forderung akzeptiert, dass die Flüchtlinge sich bei der Ausländerbehörde registrieren lassen und ihre Fluchtgeschichte erzählen sollten.

Viele der aus Libyen geflohenen Männer verlangen dagegen ein Gruppen-Aufenthaltsrecht und weigern sich, ihre Identitäten preiszugeben.

„Die Vorschläge des Senats bedeuten für uns weitere Monate und Jahre der Unsicherheit“, heißt es in dem Brief vom Dienstag. Die Nordkirche sei der Gruppe in den Rücken gefallen und habe einige der Gruppe überredet, dem „zweifelhaften Vorschlag“ zu folgen.

Die Mehrheit der „Lampedusa-Gruppe“ lehne die Forderung des Senats nach wie vor ab. „Wir sind enttäuscht und verärgert über die Erklärung der Bischofskanzlei.“

Die Nordkirche wollte auf den Brief nicht öffentlich reagieren. Der Sprecher der Nordkirche, Mathias Benckert, verwies darauf, dass die Kirche nie gegen eine Gruppenlösung gewesen sei.

Die Nordkirche sehe sich nach wie vor in der Rolle des Vermittlers, empfehle aber die Einzelfallprüfung. „Entscheiden muss jeder für sich“, sagte Benckert.

Der Hamburger Innenbehörde sind mittlerweile knapp 70 der angeblich 300 in der Hansestadt gestrandeten Flüchtlinge namentlich bekannt. 54 Afrikaner hätten bereits ein humanitäres Bleiberecht beantragt, 35 hätten bereits eine Duldung erhalten. Vegangene Woche zogen die Flüchtlinge in Container um.

Nach und nach meldeten sich immer mehr Flüchtlinge, sagte ein Sprecher der Ausländerbehörde.

Der Brief der Flüchtlinge ist auch auf der Interneseite der Flüchtlinge veröffentlich worden.