Chemische Altlasten

Noch mehr Giftstoffe in alter Wandsbeker Lackfabrik

Aktuelle Umweltdaten belegen: Ausmaß der chemischen Altlasten größer als bisher gedacht. Umweltbehörde fordert von Eigentümern weitere Bodenanalysen.

Hamburg. Im Boden der alten Lackfabrik Wandsbek lagert ein ganzes Arsenal krebserregender Stoffe, deren Konzentration die gesetzlichen Grenzwerte um ein Vielfaches überschreitet. Doch nicht nur das: Auch Teile außerhalb des eigentlichen Betriebsgeländes am Altrahlstedter Kamp/Wandseredder sind mit gefährlichen chemischen Substanzen kontaminiert. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage des Wandsbeker SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter (SPD) hervor, die dem Abendblatt vorliegt.

Wie das Abendblatt berichtete, hatte die Umweltbehörde die Eigentümer der Industrieruine aufgefordert, den Schadstoffgehalt im Boden prüfen zu lassen. Inzwischen liegen die kompletten Daten vor. „Das Ausmaß der Bodenbelastung ist größer als bisher gedacht“, sagt Buschhüter. Schwer belasteter Boden befinde sich nicht nur auf dem ehemaligen Fabrikgelände, sondern auch nördlich der Wandse und östlich des Wandseredders.

Für die Prüfung von Altlasten hat die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) exakte Zuordnungswerte für die Schadstoffgehalte im Boden festgelegt. In der alten Wandsbeker Lackfabrik werden sie zum Beispiel bei Blausäureverbindungen (Cyaniden) und bei halogenorganischen Verbindungen (EOX) um das Zehnfache überschritten. In starker Konzentration wurde auf dem Betriebsgelände auch das krebserregende PCB (polychlorierte Biphenyle) nachgewiesen.

Diese Substanz zählt zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Giftstoffen, die durch die Stockholmer Konvention vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden. Besonders gravierend ist die PCB-Kontaminierung im eingezäunten Grundstücksteil nördlich der Wandse. An dieser Stelle wird der gesetzliche Prüfwert um das 130fache überschritten. Angesichts der neuen Umweltdaten sind die gut 20 Anwohner entsetzt. „Wir sind in großer Sorge“, sagt Ralph Miller von der IG Arostal-Lackfabrik. Die Bürger drängen darauf, dass endlich mit der Sanierung begonnen wird. Doch seit der Schließung der Firma im Jahr 2005 ist noch nichts passiert. Obwohl ein Bauvorentscheid der Stadt vorliegt und auf dem Areal drei Einzelhäuser mit jeweils fünf Wohnungen entstehen sollen, stagniert das Projekt.

Unterdessen hat die Behörde die Grundstückseigentümerin, eine Erbengemeinschaft im Rheinland, aufgefordert, weitere Bodenuntersuchungen auch auf dem Grundstücksteil nördlich der Wandse durchzuführen. Es sei denkbar, dass die noch nicht beantragte Rückbaugenehmigung um weitere Auflagen ergänzt werde, so Buschhüter.