Wem gehört die Stadt?

Gentrifizierung heißt: Viele können sich Hamburg nicht mehr leisten

Es herrscht Goldgräberstimmung in Hamburg. Der längst überhitzte Immobilienmarkt lockt immer mehr Investoren an, und es werden Preise und Mieten erzielt, die jeder Makler noch vor fünf Jahren für absurd gehalten hätte. Das hat nicht nur Folgen für alle Käufer und Neumieter, sondern für alle Hamburger. Weil die Riesennachfrage, etwa in Eimsbüttel, auch in Stellingen und Lokstedt für alljährlich zweistellige Mietsteigerungsraten sorgt. Weil die in Hamm für elf Euro Kaltmiete angebotenen Neubauwohnungen per Mietenspiegel auch alle anderen Wohnungen in dem Stadtteil teurer machen. Es stellt sich die Frage: Welcher Hamburger kann sich Hamburg noch leisten?

Genauso überhitzt wie der Markt ist die Debatte über Gentrifizierung. Da wird dann schon mal der Vermieter als Luxussanierer abgestempelt, nur weil er einen Maler bestellt hat. Und wer zu schicke Schuhe verkauft, dem werden die Scheiben eingeworfen. Aber jenseits dieser Verwirrten haben Initiativen wie "Recht auf Stadt" eine dringend notwendige Debatte angestoßen. Denn wenn man dem Markt freien Lauf lässt, bekommen wir Londoner Verhältnisse - in denen Polizisten oder Lehrer weit vor die Stadt ziehen müssen, weil auch mittelmäßige Wohnungen in mittelmäßigen Stadtteilen unbezahlbar sind.

Nun ist es kein Menschenrecht, in St. Georg oder Ottensen leben zu dürfen. Es ist aber auch kein Menschenrecht, einen Wohnblock zu vergolden, indem die Altmieter vergrault und mit zahlungskräftiger Klientel ersetzt werden. Das Problem ist ja nicht der Neubau edler Lofts an der Sophienterrasse oder in der HafenCity, sondern die Umwandlung in Eigentumswohnungen und die Mietsteigerungen nach Sanierungen, die mit dem Zwangsauszug der alteingesessenen Klientel enden.

Was ist zu tun? Am Neubau möglichst vieler Wohnungen führt kein Weg vorbei. Doch das Programm des Senats läuft teilweise ins Leere, wenn vielerorts einfach alte mit neuen (teuren) Wohnungen ersetzt werden. Die Stadt darf es Eigentümern nicht durchgehen lassen, Häuser verrotten zu lassen, Mieter zu vertreiben, um dann Kasse zu machen. Stadtteile, in denen die jeweiligen sozialen Schichten unter sich bleiben, sind kein erstrebenswertes Ziel - und langweilig sind sie übrigens auch.

Der Autor ist stellvertretender Lokalchef des Abendblatts