Hafen

Hamburger Behörden weisen Kritik nach Frachter-Brand zurück

Nach dem Brand eines Frachters mit radioaktivem Material haben Behörden zurückgewiesen, dass die Hansestadt während des Kirchentags am Rande einer Katastrophe stand. Es mehrt sich jedoch die Kritik.

Hamburg. Beim Brand eines Frachters mit radioaktivem Material im Hamburger Hafen Anfang Mai sind nach Angaben der Behörden keine Schäden für Mensch und Umwelt entstanden. „Es ist überhaupt nichts schief gegangen und genau so gelaufen, wie es laufen sollte“, sagte Frank Reschreiter von der Hamburger Innenbehörde am Freitag in der Hansestadt. Sein Kollege Volker Dumann von der Umweltbehörde ergänzte: „Es sind keinerlei Schäden für die Umwelt entstanden; noch nicht einmal Löschwasser ist ins Hafenbecken gelaufen.“ Der Brand sei von der Feuerwehr hoch professionell bekämpft worden. Durch das Gefahrgut-Informationssystem Gegis sei bekannt gewesen, dass der Frachter „Atlantic Cartier“ 2,2 Tonnen Kernbrennstoff geladen habe.

Jährlich gingen rund 180 Transporte von spaltbarem Material für Kernkraftwerke sowie zahllose weitere Gefahrgut-Transporte durch die Hansestadt, erklärte die Umweltbehörde. Die Handhabung dieser Transporte sei durch nationale und internationale Vorschriften geregelt und unterliege strikten Sicherheitsvorkehrungen, die von der Wasserschutzpolizei überwacht würden. „Es ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel, dass im Hamburger Hafen gefährliche Güter transportiert werden“, sagte Reschreiter. Deswegen gebe es ein engmaschiges Kontrollsystem.

Der Frachter war aus bislang ungeklärter Ursache am 1. Mai in Brand geraten. Am gleichen Tag, allerdings Stunden zuvor, war auf der anderen Seite der Elbe der evangelische Kirchentag in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck und vieler anderer Prominenter eröffnet worden. Nach Angaben von Behörden und Feuerwehr habe zu keiner Zeit eine Gefahr für die Teilnehmer des Kirchentags oder andere Personen bestanden. Die Grünen hatten kritisiert, dass Hamburg knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt sei. Der Vorfall wurde durch eine Anfrage der Grünen an den Hamburger Senat öffentlich. Danach befanden sich insgesamt rund 20 Tonnen radioaktives Material, darunter auch rund neun Tonnen Uranhexafluorid, und etwa vier Tonnen Munition an Bord.

Die oppositionelle CDU-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft erklärte, sie habe kein Verständnis dafür, dass der Senat es nicht für notwendig erachte, die Hamburger von sich aus und unmittelbar nach solch einem Einsatz über die Beladung des Frachters zu informieren. „Gerade die Notwendigkeit von Atomtransporten in unserem Hafen bedingt durch den Ausstieg aus der Kernenergie und die Realisierung der Energiewende erfordert eine besondere Sorgfalt“, sagte der CDU-Abgeordnete Dennis Gladiator. Alle staatlichen Stellen müssten ein hohes Maß an Transparenz bei diesen Transporten sicherstellen.

Die Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ forderte dagegen ein Ende der Atomtransporte durch Hamburg. „Ein Hafen mitten in einer Millionenstadt ist der denkbar schlechteste Platz zum Umschlag radioaktiver Stoffe“, sagte ihr Sprecher Jochen Stay. „Es kann nicht sein, dass die Menschen in den Hafenstädten und entlang der Transportrouten massiven Gefahren ausgesetzt werden, nur damit einige Atomfirmen und Reedereien weiter mit ihren riskanten Geschäften Gewinne machen.“