Landespolitik

Sylvia Canel bleibt überraschend Hamburger FDP-Chefin

Die Hamburger FDP-Vorsitzende wurde mit 66 von 120 Stimmen in ihrem Amt bestätigt. Auf Konkurrentin und FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding entfielen nur 50 Stimmen.

Harburg. Die FDP-Landesvorsitzende Sylvia Canel ist auf dem Hamburger Parteitag am Freitag überraschend deutlich in ihrem Amt bestätigt worden. Sie hat sich bei der Kampfabstimmung gegen Katja Suding, Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion, mit 66 zu 50 Stimmen durchgesetzt. Suding waren im Vorfeld gute Chancen für das oberste Parteiamt in Hamburg vorausgesagt worden.

Hatte Canel das Ergebnis vorausgeahnt? Vor der Abstimmung im „Feuervogel“, dem Bürgerzentrum Phoenix in Harburg, saß sie stumm am Präsidiumstisch. Suding sprach derweil munter mit Parteifreunden. Später, als sich die Fraktionsvorsitzende dazusetzte, blieb der Platz zwischen den beiden Kontrahentinnen leer. Sie würdigten sich keines Blickes.

Mit versteinerter Miene verfolgte Suding anschließend Canels Rede zum Rechenschaftsbericht. In deren Beitrag wurde die Abneigung zwischen den beiden offensichtlich. Canel erwähnte nicht einmal den Namen ihrer Herausforderin. Im Gegensatz dazu bedankte sie sich bei den Fraktionschefs aller Bezirksfraktionen für deren Arbeit, allen Bürgerschaftsabgeordneten, sogar bei Burkhardt Müller-Sönksen, dem sie bei der Nominierung der Listenkandidaten für die Bundestagswahl am 22. September unterlag. Als Canel auch ihrem Vorgänger Rolf Salo dankte, erwähnte sie ihre Herausforderin nur indirekt: „Herr Salo, der sogenannte Katja-Entdecker, hat sich eingebracht. Wir wissen jetzt, wozu ein Landesvorsitzender gut ist.“ Später sagte ein Suding-Mitstreiter: „Das war eine absolute Farce.“

Doch das war nur das Vorgeplänkel. In ihrer Bewerbungsrede kam Canel dann nicht an einer direkten Anrede vorbei: „Frau Suding, Katja, du hast uns ein interessantes Angebot…“, sagte sie etwas umständlich. Sie meinte Sudings Aussage, dass es ein Vorteil sei, wenn die Spitzenämter von Fraktion und Partei in einer Hand lägen. Solch eine Konzentration sei „manchmal keine schlechte Idee“. Etwa wie in Nordrhein-Westfalen, wo der ehemalige FDP-Generalsekretär Christian Lindner beide Ämter innehat. „Aber er ist ein Ausnahmepolitiker“, sagte Canel und feuerte damit die nächste Spitze in Richtung Suding ab. Eine Verzahnung von Partei und Fraktion sei nicht möglich, wenn jeweils dieselben Personen am Ruder seien. Die FDP brauche Vielfalt und keine Reduktion auf eine Person. „Zwei Frauen an der Spitze, darum kann uns jede Partei beneiden.“ Und dann schloss Canel mit der Aussage, dass es in der Hamburger FDP kaum jemanden gebe, der so viel Wahlkampferfahrung habe wie sie.

Katja Suding sah in ihrer Bewerbungsrede in der Doppelrolle einen Vorteil. „Wir haben in den nächsten zwei Jahren vier Wahlkämpfe zu bestreiten, vier Chancen, unser Potenzial zu zeigen. Das wird dem Landesverband einiges abverlangen.“ Schließlich forderte Suding, dass der Landesverband politischer werden müsse. Da wurde es dann immerhin etwas inhaltlicher. „Der Landesverband muss eine stärkere Rolle spielen, wenn wir den nachhaltigen Erfolg wollen“, sagte Suding in Richtung Canel. Sie selbst wolle dafür kämpfen, dass die FDP in Hamburg Regierungsverantwortung übernimmt.

Suding hatte ihre Kandidatur nach längerem Zögern vor zwei Wochen angekündigt. Canel hatte erst am vergangenen Dienstag erklärt, wieder kandidieren zu wollen. Sie hatte den Parteivorsitz wegen einer Hüftoperation seit Ende Februar ruhen lassen. Allerdings ließ sie die Hamburger FDP im Unklaren, ob sie sich noch einmal zur Wahl stellen würde. Die Freude bei Canel nach dem Sieg war groß. Sie kündigte an, politischer werden zu wollen, und nahm damit einen großen Kritikpunkt an ihrer bisherigen Arbeit auf. Als Hauptargument für ihren Wahlerfolg sah sie die Entflechtung der Partei- und Fraktionsfunktionen. „Wir leben schließlich in einer Demokratie der Gewaltenteilung.“

Katja Suding gestand ein, dass es in Hamburg „offenbar nicht gewünscht ist, wenn Fraktions- und Parteivorsitz in einer Hand“ liegen. Sie selbst sah sich nicht beschädigt: „Zur Politik gehört es auch, mit Niederlagen zu leben.“ Suding werde nun „mit aller Kraft in die nächsten Wahlkämpfe gehen“. Ob die FDP mit einer Doppelspitze weniger erfolgreich sein wird, könne sie nicht sagen: „Wir werden es wohl nie erfahren.“