Verkehr

Wo Hamburg ständig im Stau steht

Neue Studie zeigt: Langsamer als in der Hansestadt geht es nur noch in Stuttgart zu. Pendler verlieren pro Jahr insgesamt 78 Stunden.

Hamburg . Was viele Autofahrer längst ahnten, haben sie jetzt schwarz auf weiß: In Hamburg steht der Verkehr besonders häufig und besonders lange still. Bundesweit liegt die Hansestadt im Vergleich der schlimmsten Stau-Städte auf dem zweiten Platz. Langsamer geht es laut einer Studie des Navigationsgeräteherstellers TomTom nur noch in Stuttgart voran, dem Spitzenreiter der Rangliste.

Demnach benötigen Hamburger Autofahrer, wenn die Straßen verstopft sind, im Schnitt 32 Prozent länger als bei freier Fahrt, um an ihr Ziel zu kommen. Für eine Strecke, die in staufreien Zeiten in 60 Minuten bewältigt werden kann, brauchen Hamburger Verkehrsteilnehmer bei Stau also 19 Minuten länger.

Für ihren Stau-Index 2012 hat die Firma anonymisierte Geschwindigkeitsprofile der TomTom-Nutzer ausgewertet und Phasen, in denen der Verkehr stockt, mit Zeiten verglichen, in denen freie Fahrt herrscht - mehr als 35 Millionen gefahrene Kilometer im Straßennetz wurden analysiert.

Unbequem wird es für Autofahrer laut der Studie zu klassischen Pendlerzeiten wie Montagmorgen und Freitagabend. Im Schnitt müssen Autofahrer dann bis zu 66 Prozent mehr Fahrtzeit einplanen. Am Montagabend und Freitagmorgen ist es im Vergleich dazu zwar relativ entspannt. Bis zu 27 Minuten Verspätung pro gefahrener Stunde sollten Hamburger trotzdem einrechnen. "Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung in Hamburg verlieren Pendler mit einem einfachen Arbeitsweg von 30 Minuten auf ein Jahr gerechnet 78 Stunden durch Stau und Verkehrsbehinderungen", sagt Andreas Erwig, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Stark verkehrsbelastet sind nach einer Analyse von TomTom für das Abendblatt besonders Hauptstraßen wie die Lombards- und die Kennedybrücke, Schröderstiftstraße, Schäferkampsallee, Fruchtallee, Kieler Straße, die Ludwig-Erhard-Straße, die Stresemannstraße, die Spalding- und Nordkanalstraße, Grindelallee, Wallstraße und Heidenkampsweg. Die Nummer 1 unter den Staufallen ist der Elbtunnel in Fahrtrichtung Süden.

Einer der Gründe, warum Hamburg in der Staubilanz schlechter abschneidet als etwa München, ist nach Angaben des ADAC Hansa, dass die Hansestadt über keinen geschlossenen Autobahnring verfügt. "Dadurch muss zwangsläufig ein Großteil des Verkehrs durch die belasteten Stadtstraßen geführt werden", sagt Carsten Willms, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Hansa. Zudem verwandeln Straßenbaustellen - derzeit gibt es 30 in der Stadt - so manche Fahrbahn in ein Nadelöhr.

Nach wie vor ist die Edmund-Siemers-Allee stadteinwärts eine der schlimmsten Staufallen der Stadt. Hauptgrund ist die Dauerbaustelle am Dammtorbahnhof. Zudem sei der Straßenzustand "allgemein schlecht" - das liege aber nicht an der Witterung, sondern an der jahrelangen Vernachlässigung der Straßenpflege. Die Instandsetzung führe automatisch zu Verkehrsbehinderungen, was bei "frühzeitigen Maßnahmen zu verhindern" gewesen wäre, sagt Carsten Willms. Gleichwohl zeige das Verkehrentwicklungskonzept der Stadt "sinnvolle und vernünftige Ansätze".

So gebe es in Hamburg rund 200 intelligente Ampelschaltungen, die den Verkehrsfluss um bis zu 15 Prozent verbessern. Auch die modernen Parkleitsysteme und die Optimierung des Baustellenmanagements entlasteten den innerstädtischen Verkehr. Außerdem liege die Durchschnittsgeschwindigkeit im Stadtgebiet mit 28,3 km/h "im Normbereich". Auf den Berliner Straßen etwa seien Autos im Schnitt nur mit Tempo 25 unterwegs.

Laut der TomTom-Studie kommen die Berliner im Stau aber immer noch flotter vorwärts als die Hamburger: In der Hauptstadt beträgt der Zeitverlust "nur" 28 Prozent - und ist damit vier Prozentpunkte niedriger als bei Staus in Hamburg.

Den vierten Platz hinter Stuttgart, Hamburg und Berlin belegt Köln (26 Prozent), gefolgt von München (24 Prozent), Frankfurt am Main (22 Prozent), dem westlichen Ruhrgebiet (18 Prozent), Düsseldorf (18 Prozent), Bremen (17 Prozent) und dem östlichen Ruhrgebiet (16 Prozent).

Verglichen mit der Welt-Stauhauptstadt Moskau läuft aber selbst in der deutschen Stau-Metropole Stuttgart der Verkehr nahezu wie geschmiert. Die Moskauer müssen im Durchschnitt 66 Prozent mehr Fahrtzeit einplanen, wenn die Straßen verstopft sind. Hamburg liegt im europaweiten Vergleich auf Platz neun der Stau-Statistik.