Langenhorn

Joachim Herz Stiftung will stark wachsen

Ein Neubau in Langenhorn schafft Platz für den kräftigen Ausbau der Mitarbeiterzahl, die in den nächsten Jahren von 35 auf mehr als 80 steigen soll.

Hamburg. Die Joachim Herz Stiftung schafft mit einem Neubau Raum für einen deutlichen Ausbau der Mitarbeiterzahl. Voraussichtlich im April beginnt an der Langenhorner Chaussee die Errichtung eines dreigeschossigen Bürogebäudes auf dem eigenen Grundstück. Auf den fast 2500 Quadratmeter Bürofläche sollen mittelfristig mehr als 80 Beschäftigte arbeiten; aktuell hat die Stiftung 35 Mitarbeiter.

Gemessen am Vermögen von 1,3 Milliarden Euro - es besteht überwiegend aus einer indirekten Beteiligung am Nivea-Hersteller Beiersdorf sowie aus Wertpapieren und Immobilien vor allem in den USA - ist die gemeinnützige Joachim Herz Stiftung die größte Hamburgs und mit dem Gründungsjahr 2008 auch die jüngste. Sie nahm kurz nach dem Unfalltod des zweitältesten Sohns des Tchibo-Gründers Max Herz die Arbeit auf.

Joachim Herz, der im Alter von 66 Jahren bei einem Badeunfall in den USA ums Leben kam, hatte sein Hamburger Büro im umgebauten Turm einer früheren Kaffeerösterei in Langenhorn. Dort hat nun auch die Stiftung ihren Sitz. Der weithin sichtbare Turm bleibt erhalten; die neuen Gebäude werden um ihn herum entstehen.

Bei der Joachim Herz Stiftung sieht man die Standortwahl auch als Bekenntnis zu Hamburg. "Uns sind die Wurzeln unserer noch jungen Stiftung sehr wichtig", sagt dazu Petra Herz. Die Witwe von Joachim Herz ist die Vorstandsvorsitzende der Stiftung. Deren Arbeit solle sich im Geist des Stifters entwickeln, entlang seiner Werte und Vorstellungen. "Meinem Mann war Außenwirkung weniger wichtig als die inhaltliche Arbeit und wirtschaftliches Denken", erklärt Petra Herz. Auch aus diesem Grund habe man sich gegen eine "repräsentative Innenstadtlage" entschieden. "Langfristig sparen wir rund 20 Prozent gegenüber einem entsprechenden Mietobjekt und können folglich mehr Mittel in die Stiftungsarbeit investieren", so Petra Herz.

Das Hamburger Büro Kitzmann Architekten hatte die Ausschreibung für den Neubau mit einer schwebenden Brückenkonstruktion, die den Blick auf den früheren Röstturm weitgehend freihält, gewonnen. Mit dem Abbruch von Lagerhallen, die bisher den Turm umstanden, haben die Vorbereitungen für die Errichtung des neuen Gebäudes bereits begonnen. In ihm soll es künftig auch eine Bibliothek und einen Veranstaltungsraum mit etwa 50 Plätzen für kleinere Fachveranstaltungen geben.

Auch unter ökologischen Aspekten kann sich das Bauvorhaben nach Auffassung der Architekten sehen lassen. So werden nach der Fertigstellung, die für Ende 2014 vorgesehen ist, rund 2000 Quadratmeter weniger Grundstücksfläche versiegelt sein als heute, mehr als 30 Bäume werden neu gepflanzt. Die Parkplätze werden in eine Tiefgarage verlegt und das Dach begrünt. Ein Blockheizkraftwerk sorgt für Wärme und Strom.

Für die Beschäftigten soll es mehr Komfort geben. So stünden ihnen in dem neuen Gebäude unter anderem Ruheräume und ein Sport- und Fitnessraum zur Verfügung. Hier kämen die Erfahrungen aus dem wirtschaftlichen Engagement von Joachim Herz in den USA zum Ausdruck, erklärt Petra Herz: "Keine Unternehmung wie die Joachim Herz Stiftung könnte es sich in den USA erlauben, nicht auch auf die Belange der Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen." Längere Arbeitszeiten zum Beispiel an Veranstaltungstagen sollen durch entsprechende Pausen abgefedert werden können: "Dann muss man sich auch mal zurückziehen oder körperlich aktiv werden können."

Bei ihren gemeinnützigen Förderprojekten stellt die Joachim Herz Stiftung Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in den Mittelpunkt. So vergibt die Stiftung Stipendien für Schüler, Studenten und Doktoranden, will die Begeisterung Hamburger Schüler für Naturwissenschaften und Technik fördern und unterstützt wissenschaftlichen Nachwuchs sowie exzellente Wissenschaft und Forschung. Im vergangenen Jahr gab die Joachim Herz Stiftung nach Angaben eines Sprechers insgesamt rund sechs Millionen Euro für solche Projekte aus. Längerfristig sollen es zehn Millionen Euro pro Jahr sein.

Ein Großteil der Einnahmen stammt aus Dividenden des Beiersdorf-Konzerns. Die Stiftung ist mit 17,5 Prozent an der Holding maxingvest beteiligt, die wiederum gut 50 Prozent der Beiersdorf-Aktien sowie 100 Prozent der Tchibo-Anteile hält. Die weiteren maxingvest-Eigner sind Michael und Wolfgang Herz (je 35 Prozent) sowie die Max und Ingeburg Herz Stiftung (12,5 Prozent). Die anderen Mitglieder der Herz-Familie sind bisher nicht öffentlich als Mäzene aufgetreten.