Langenhorn/Niendorf

Tesa rammt in Norderstedt, Lärm in Hamburg

Die Arbeiten am neuen Firmensitz dauern noch bis Mitte März. Zu hören ist das auch in Langenhorn, Niendorf und weiteren Stadtteilen.

Langenhorn/Niendorf. Es ist dieses rhythmische "Boing, boing", das ihre Nerven strapaziert. Erst dachte sie, dass ein Hufschmied nebenan eingezogen ist und mit einem Metallhammer auf Metall schlägt, sagt Maren Franz. Doch es sind nicht die Nachbarn in der Straße Sandfoort in Langenhorn, die Lärm machen. Der Krach kommt von der Baustelle für die neue Tesa-Zentrale an der Niendorfer Straße in Norderstedt. Seit Mitte Januar werden dort bis zu 24 Meter lange Stahlpfähle in die Erde gerammt. Anwohner aus Langenhorn und aus Niendorf beschweren sich über den Lärm.

Von einem "abartigen, metallischen Lärm" sprechen einige Bewohner etwa in Niendorf-Nord. Auch dort ist der Baulärm zu hören. Von morgens um 7.45 Uhr bis abends um 19.45 Uhr ginge das so. Anfang Januar fing es mit einem eher dumpfen "Bum, bum" an und sei dann in ein metallenes "Boing" übergegangen, beschreibt Maren Franz die Geräusche, denen sie trotz geschlossener Fenster, trotz heruntergelassener Jalousien nicht entfliehen kann. Von morgens bis abends ginge das so. Meditieren kann die 47-jährige Meditationslehrerin im Moment nur sehr schlecht.

"Außerdem leide ich seit Beginn der Bauarbeiten unter Schlafstörungen am Morgen." Ihre Eltern hörten es sogar in Fuhlsbüttel, eine Freundin in Klein Borstel und auf dem Ohlsdorfer Friedhof. "Die armen Menschen, die noch dichter an der Baustelle wohnen", sagt Frau Franz. Je nach Wetterlage und Windrichtung könne es vorkommen, dass die Baustellengeräusche auch bis nach Niendorf zu hören seien, sagt Tesa-Sprecher Reinhart Martin. 1200 Pfähle müssen insgesamt bis Mitte März versenkt werden.

"Diese Arbeiten sind leider mit einer Lärmentwicklung verbunden, aber notwendig, um Stabilität für die zukünftigen Gebäude auf dem morastigen Boden herzustellen", so Martin. In einem Schreiben an 3000 Langenhorner Haushalte klärt das Unternehmen die betroffenen Anwohner nun über die Arbeiten auf.

Der Architekt und Diplom-Ingenieur Gerhard von Wyszecki ist mittlerweile als Nachbarschaftsbeauftragter Ansprechpartner für die betroffenen Menschen. "Die Kommunikationspolitik ist peinlich", sagt Maren Franz. Dieses Schreiben und die Informationen über die Maßnahmen seien zu spät gekommen. Frau Franz hatte sich zunächst bei der Polizei über den Lärm erkundigt, weil es von Tesa bis jetzt keine Informationen über die Ramm-Arbeiten gegeben hat.

Das Rammen der Pfähle sei das technisch sinnvollste Verfahren, sagt Reinhart Martin. Um die Lärmbelastung zu verringern, habe Tesa die erlaubte Zeit für das Rammen verringert. Erlaubt wäre es von 7 bis 20 Uhr, "tatsächlich beschränken wir uns auf 8 bis 17.30 Uhr", so Martin.

Außerdem sollen die hydraulischen Rammen, die ein besonders schneidendes Geräusch erzeugen, gegen mit Dieselaggregaten betriebene Rammen eingetauscht werden. Diese seien etwas leiser. Von vier Rammen sind jeden Tag drei im Einsatz. Ursprünglich sollten diese Arbeiten bis Mitte März andauern. Martin: "Wir versuchen, das schneller zu beenden."

Überlegt werde, ob sich die Arbeiten auch mit einem Bohrverfahren machen ließen. Das sei leiser, aber auch viel teurer. Beim dritten Gebäudeteil, dem Parkhaus, könne dieses Bohrverfahren zur Verfestigung des Untergrundes angewendet werden.

Tesa baut in Norderstedt die neue Firmenzentrale samt Forschungs- und Technologiezentrum. Rund 850 Mitarbeiter, die derzeit an verschiedenen Standorten in Eimsbüttel arbeiten, werden 2015 in die neue Zentrale umziehen. Seit diesem Montag hat Tesa Schallschutzhauben für die zwei lautesten der bis zu 30 Meter hohen hydraulischen Rammen im Einsatz. Maren Franz hat festgestellt, dass sich der Lärm tatsächlich verringert hat, das metallene Scheppern sei weg.

"Das Geräusch ist dumpfer geworden, nicht mehr so unangenehm. Warum denn nicht gleich so?" Vier Anwohner haben sich für den heutigen Donnerstag bei Diplom-Ingenieur von Wyszecki für eine Baustellenführung angemeldet: "Wenn die Leute Bescheid wissen, sind sie verständnisvoller."