Straßenverkehr

„Prügeln um Parklücken“: Autofahrer immer aggressiver

Hamburger Richter beklagt extreme Auseinandersetzungen der Verkehrsteilnehmer. Von schärferen Strafen hält er jedoch nichts.

Hamburg/Goslar. Aggressionen im Straßenverkehr nehmen nach den Erfahrungen des Verkehrsrichters Holger Randel immer extremere Formen an. „Da prügeln sich Menschen bis aufs Blut um Parklücken“, berichtete der Vorsitzende Richter am Landgericht Hamburg am Donnerstag in Goslar aus seiner täglichen Praxis. „Wer angehupt wird, verfolgt andere Verkehrsteilnehmer, zerrt sie aus ihren Autos und ringt sie nieder“, sagte er.

Täter zeigen selten Reue

Randel gehört zu den rund 1.900 Experten aus ganz Deutschland, die beim 51. Verkehrsgerichtstag in Goslar noch bis Freitag über Themen wie Aggressivität im Straßenverkehr, Fragen der Unfallregulierung oder Schadensersatz nach Verletzungen diskutieren. Sein Alltag am Gericht sei auch deshalb erschreckend, weil wenige Täter hinterher Reue zeigten, sagte Randel. „In allen anderen Feldern der Justiz erleben wir immer mal wieder Einsicht. Bei Verkehrsvergehen habe ich noch nie in meiner Berufslaufbahn ein vorbehaltloses Geständnis gehört.“

„Männer mit kurzer Zündschnur“

Bei Verkehrsrowdys handelt es sich seiner Ansicht nach um Menschen, die auch grundsätzlich zu Aggressionen neigen. Meistens seien das Männer mit „einer ziemlich kurzen Zündschnur“. Ansonsten sei das Spektrum der Täter weit: „Das geht durch alle Bevölkerungsschichten, trifft Berufsfahrer genauso wie Fahranfänger und macht damit natürlich die Präventionsarbeit extrem schwierig.“

Von schärferen Strafen gegen Verkehrsrüpel hält Randel allerdings nichts. Von der einfachen Geldstrafe bis zum lebenslangen Entzug der Fahrerlaubnis gebe es bereits einen gut differenzierten Sanktionskatalog. Weil Personal fehle, könnten aber die Sanktionen nicht flächendeckend durchgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund würden künftig Smartphones und Handykameras eine immer größere Rolle bei der Überführung von Straftätern spielen.

Von der Diskussion in Goslar erhofft Randel sich Impulse, wie die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer angesichts einer ständig wachsenden Mobilität gewährleistet werden kann: „Jeder aggressive Autofahrer hat prinzipiell eine mindestens 1,5 Tonnen schwere Waffe um sich“, sagte er: „Daher nehmen wir unsere Arbeit sehr ernst.“