Zwischenruf

Meine Problemnummer

Eine Glosse von Jens Meyer-Wellmann

Es gibt immer wieder ein erstes Mal im Leben. In der kommenden Woche zum Beispiel werde ich zum ersten Mal eine Hausnummer anbringen. Ich habe diese Herausforderung bisher stets unterschätzt. Kürzlich bekam ich einen Brief vom Bezirksamt Eimsbüttel, Zentrum für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt. Darin wurde mir "nach Paragraf 20 HWG" meine Hausnummer zugeteilt, und ich nahm mir vor, diese voller Stolz in meiner Adresse zu tragen und am Wochenende ein schönes Hausnummernschild anzubringen. Aber so einfach ist das nicht.

Denn wie ich in "Anlage 1 zum Bescheid" erfuhr, sind dabei zahlreiche "baurechtliche Anforderungen" zu beachten. "Insbesondere sind zu beachten: die Vorschriften der Hamburgischen Bauordnung (HBauO), die Vorschriften der nach den HBauO erlassenen Rechtsvorschriften und die allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 3 Abs. 3 HBauO)."

Ich bin von jeher ein großer Freund allgemein anerkannter Regeln, leider aber verfüge ich nicht über die zehnbändige Ausgabe der in den vergangenen Jahrzehnten erlassenen Rechtsvorschriften. Dankenswerterweise fasste der Brief diese leichthändig zusammen, und ich erfuhr, dass Hausnummernleuchten in Richtung Straße am Haus zu befestigen sind, was mir unmittelbar einleuchtete. Zugleich aber dürften die Nummern keinesfalls "die Sicherheit und Leichtigkeit des Straßenverkehrs beeinträchtigen". Ganz wichtig sei es überdies, dass meine Hausnummer die "Lichtsignale von Rettungsdiensten nicht nachteilig beeinflussen" dürfe, was ich nicht verstand, denn schließlich fahre ich mit meinem Haus normalerweise nicht durch die Stadt.

Weiter unten wurde ich belehrt, dass ich die Nummer, "nicht niedriger als 1,80 m" am Haus zu befestigen hätte, und zwar "im Falle des Satzes 1 des vorangegangenen Absatzes gemessen an der Eingangshöhe, im Falle des Satzes 2 gemessen an der Geländeoberfläche am Anbringungsort". Während ich langsam zurücklas, fragte ich mich, ob ich nicht besser ins Ausland gezogen wäre. Und warum ich aus meiner Wohnung ausziehen musste. Die hatte einen Hausmeister, der Hausnummern jederzeit an Regelwerke anzupassen in der Lage war. Damit gehörte er, ganz nebenbei, zu den größten Kennern der Hamburger Entbürokratisierungspolitik.