Serie: Hamburgs Quartiere in Abendblatt und NDR-"Hamburg Journal"

Reitbrook - unendliche Wiesen

Gerd Langeloh lebt mit seiner Familie auf dem Milchhof Reitbrook. Gemeinsam mit den Nachbarn kümmert er sich um 90 Kühe.

Endlose Wiesen und Gräben. Ein paar Kühe grasen am Deich. Kein Mensch, kein Auto ist auf der Straße zu sehen. Nur das Bellen eines Hundes ist aus der Ferne zu hören. Das platte Land mitten in Hamburg - die 509-Seelengemeinde Reitbrook. Von hier sind es 20 Minuten mit dem Auto bis in die Innenstadt. "Eine kleine Oase abseits des Großstadtlärms", so nennt Gerd Langeloh seine Heimat. Vor 30 Jahren ist der 56-Jährige der Liebe wegen aus Moorburg ins idyllische Reitbrook gezogen. Seine Frau Ingrid ist hier geboren. "Sie wollte hier nicht weg", sagt er. Mittlerweile ist auch Gerd Langeloh in Reitbrook sesshaft geworden und "hat das Leben in der Gemeinde lieben gelernt."

Gemeinsam mit ihren Nachbarn, der Familie Kohrs, führen die Langelohs den "Milchhof Reitbrook" am Vorderdeich. "Die Höfe sind seit 400 Jahren in Familienbesitz und kooperieren seit 1998", sagt Gerd Langeloh stolz, während er den Kuhstall betritt. 90 Tiere gehören zum Bestand des Hofes. Der achtjährige Nachbarsjunge Fynn zupft aufgeregt an seinem Ärmel. Er möchte das Kälbchen Josephine streicheln, das vor wenigen Tagen geboren wurde. "So etwas erleben Großstadtkinder nicht. Viele von ihnen kennen eine Kuh nur aus dem Fernsehen", sagt der Milchbauer. Seine Kinder Jan-Hendrik (30), Sönke (26) und Annekathrin (17) sind dagegen mit den Tieren aufgewachsen. "Das Leben ist schön hier", finden die Geschwister. Aber es hat auch einen Nachteil: "Abends kommen wir hier mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr weg."

Infrastruktur gibt es kaum in Reitbrook. Das Dorf hat keinen eigenen Ortskern. Zum Einkaufen fahren die Anwohner ins benachbarte Bergedorf. Nur Milch und Joghurt könenn sie auch im Dorf bekommen. Auf dem Milchhof gibt es 18 verschiedene Sorten Joghurt. Die Reitbrooker haben auch keine Kirche. Zum Gottesdienst fahren die Langelohs nach Allermöhe. "In dieser Kirche haben meine Frau und ich vor 30 Jahren geheiratet", erinnert sich Gerd Langeloh. Hier sind auch seine drei Kinder getauft worden.

Es geht an die Dove Elbe. Vorbei an historischen Bauern- und Fachwerkhäusern. "Vielen Menschen ist unser Ort nur durch die Windmühle ein Begriff", sagt Gerd Langeloh. In dem Wohnhaus, das zur Mühle gehört, ist 1852 Alfred Lichtwark, der spätere Direktor der Hamburger Kunsthalle geboren worden. An schönen Tagen ist die Familie Langeloh gerne am Wasser. Manchmal machen Gerd und Ingrid Langeloh auch eine Fahrradtour ins Naturschutzgebiet Reit, wo der Hamburger Naturschutzbund (Nabu) eine Forschungsstation eingerichtet hat. Auch Kunst spielt in Reitbrook eine große Rolle. Der Skulpturenpark steht auf der Liste vieler Tagesausflügler. Hier steht auch der T-förmig errichtete Fährbauernhof aus dem 17. Jahrhundert.

Gerd Langeloh schaut auf die Uhr: "Die Pflicht ruft." Er steigt in seinen weißen Lieferwagen. Ein Kindergarten hat 20 Liter Milch und vier Kilogramm Joghurt bestellt. Anschließend muss er sich um das Futter für seine Kühe kümmer. "Das ist der einzige Nachteil an meinem Job. Ich habe nie richtig frei." Aber Gerd Langeloh sagt auch: "Trotzdem möchte ich nicht tauschen."