Natur und Kultur an der Saselbek

Serie: Hamburg am Wasser - das Abendblatt stellt Flüsse und ihre Geschichte vor (Teil 7)

Tausende Orchideen sprenkeln die Wiesen lila, eine Mühle erinnert an den Dreißigjährigen Krieg, hinter alten Bauernhäusern wartet eine noch ältere Burg: Die Saselbek ist mit ihren sechs Kilometern gerade mal lang genug für einen Sonntagsspaziergang, doch kein anderer Fluss setzt auf so kurzer Strecke so viele Highlights in Szene. Zu Beginn verlässt ein kleines Bächlein den Volksdorfer Allhorndiek, plätschert an den wunderbar restaurierten Bauernkaten im Museumsdorf vorbei - und fließt nach ein paar Metern befreit auf den Volksdorfer Teichwiesen, dem kleinsten Tunneltal des eiszeitlichen Nordens, ausgehöhlt vor 15 000 Jahren von Schmelzwasser unter dickem Gletschereis.

Das Naturschutzgebiet ist eine Arche: 285 Pflanzen- und 61 Vogelarten leben hier auf engstem Raum, darunter Raritäten wie der kardinalsfarbene Teufelsabbiss oder die Gelbe Wiesenraute, der Graureiher und der Haubentaucher. Als Landschaftspfleger rupfen schottische Hochlandrinder alles ab, was die Biotop-Balance stört.

Zwei Kilometer weiter, im nächsten Naturschutzgebiet Hainesch-Iland, gräbt sich das Flüsschen eine 15 Meter tiefe Schlucht in den Eichen- und Buchenwald. Im Mittelalter ertrank der Wald in einem Mühlenteich, heute fliegen aus den zerklüfteten Steilhängen blau funkelnde Eisvögel durch den Auen-Urwald aus Erlen, Eschen und Weiden. Dahinter mündet die Saselbek in einer Alsterschleife um die altsächsische Mellingburg.

Sasel ist das alte Sassloh ("Sachsenhain") aus der Zeit Karls des Großen, aber die ersten Felder beackerten schon die Bauern der Bronzezeit. Die Hochfläche bis zum Nebenflüsschen Furtbek sind die historische Hauptbühne des Hamburger Nordostens. Statt der Vor- und Frühzeitler streben heute Spaziergänger, Radfahrer und Hundefreunde der "Alten Mühle" von Bergstedt zu. Im Dreißigjährigen Krieg stellte sie Schießpulver her, später stampfte sie Münzen ein.

Einer anderen Gaststätte gab einst der Fluss selbst den Namen: In seiner "Saselbek" gründete vor 50 Jahren der verstorbene Schwergewichts-Europameister Hein ten Hoff den Bürgerverein Sasel-Poppenbüttel.

Morgen: Osterbek