Durch Hamburgs hohen Norden: Die Ammersbek

Serie: Hamburg am Wasser - das Abendblatt stellt Flüsse und ihre Geschichte vor

Hoch türmen sich Gletscher über der Tundra. Mammut, Wollnashorn und Säbelzahntiger laben sich an dem Schmelzwasserfluss, der sich nach Westen windet. 20 000 Jahre später heißt er Ammersbek, aber die Ufer sehen immer noch so aus wie kurz nach der Eiszeit.

Es ist die Urlandschaft des Duvenstedter Brook: Birken- und Erlenbrüche, Heide, Schilf, Sumpf und Moor.

1939 erklärt NS-Reichsstatthalter Karl Kaufmann die Gegend zum Naturschutzgebiet, nutzt es jedoch wie die Fürsten der Feudalzeit - indem er mit Gästen auf Rot- und Damwild schießt.

Seit den 70er-Jahren ist auf 780 Hektar Grund ein sinnvoller Naturschutz am Werk, zum Segen für 400 Pflanzen- und 170 Vogelarten, Schmetterlinge und Amphibien. Sogar der scheue Fischotter soll hier jetzt wieder heimisch sein.

Die Ammersbek erscheint erst nach dem Zusammenschluss des Bunsbachs und der Hunnau auf der Karte. Und sie gibt Ammersbek, einer der jüngsten Gemeinden Deutschlands, die 1978 durch den Zusammenschluss von Bünningstedt und Hoisbüttel entstanden ist, den Namen. Vor allem aber ist die Ammersbek eine acht Kilometer lange Lebenslinie unberührter Natur - auch durch Hamburgs hohen Norden: Kein Rad- oder Fußweg darf ihre Ufer geleiten, kein Boot ihre Kurven erforschen, nur selten kreuzt eine Brücke. Vier Naturschutzgebiete tränkt und trocknet der Fluss: Ammersbek-Niederung, Hansdorfer Brook, Duvenstedter Brook und Wohldorfer Wald. Doch Menschen schlugen auch Kapital aus der Ammersbek: Am Kupferteich etwa wurde die Kraft des Wassers schon 1622 genutzt - zum Ziehen von Messingdraht und Hämmern von Kupferplatten.

Am Mühlenteich drehte die Ammersbek schon im Jahr 1471 die erste Kornmühle, 1809 noch dazu eine Ölmühle für Nüsse, Raps und Flachssamen.

Heute liefert der Fluss Strom für ein Edelrestaurant, ehe die Ammersbek zwischen Duvenstedter Damm und Schleusenredder endlich mit ihrer großen Schwester, der Alster, zusammenfließen darf.

Morgen: die Dove Elbe