Was wird aus diesen Kirchen?

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Jahresbericht: Wegen weniger Einnahmen geben Kirchenkreise zwölf Gotteshäuser auf.

Aus Finanznot müssen die sechs Hamburger Kirchenkreise in Zukunft noch mehr Gotteshäuser verkaufen. Für 2004 rechnen die Verantwortlichen lediglich mit 50 Millionen Euro Einnahmen aus Kirchensteuern, rund 24 Millionen weniger als vor vier Jahren. "Wir werden vieles in der jetzigen Situation nicht mehr so halten können", sagte Propst Karl Heinz Melzer, Vorsitzender des Hamburger Kirchenkreisverbandes, gestern bei der Vorstellung des ersten Jahresberichtes der evangelisch-lutherischen Kirche im Sprengel Hamburg.

Rund 200 evangelische Kirchen gibt es in Hamburg, davon wurde etwa die Hälfte nach 1945 gebaut. Die Nachricht vom Verkauf oder der Umwandlung von zwölf Gotteshäusern hat bei einigen Gemeinden Verunsicherung ausgelöst. "Wir suchen nach einer anderen Nutzung für das Gemeindehaus", sagt Michael Ostendorf (41), einer der drei Pastoren der Kirche in Steinbek (rund 12 000 Mitglieder), im Gemeindezentrum Mümmelmannsberg. "Die Betriebskosten des Hauses werden nicht von den Einnahmen durch die Kirchensteuer gedeckt", so der Pastor zum Abendblatt. Eine neue Adresse steht, laut Ostendorf, noch nicht fest. Einem Umzug sieht Pastor Ostendorf optimistisch entgegen: "Personen statt Gebäude zu finanzieren - das ist unser Motto."

"Unser Programm ist kein Abbau, sondern ein Umbau", betont Steffen Becker, Sprecher des Kirchenkreises Stormarn. "Wir wollen zeitgemäße Angebote bringen, die die Leute in ihrer jetzigen Lebensweise eher ansprechen - wie unsere christlichen Meditationskurse oder unser Konfi-Camp für Konfirmanden."

  • Die Bethlehemkirche (Eimsbüttel) ist eines von vier Gotteshäusern der Kirchengemeinde Eimsbüttel, von denen zwei geschlossen werden. Darüber, wer in die Bethlehemkirche einziehen soll, wird im Kirchenkreisvorstand noch beraten. Es gebe verschiedene "Lösungsmöglichkeiten", hieß es. Ein Verkauf scheint aber unwahrscheinlich.
  • Die Bugenhagenkirche (Barmbek), erbaut Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, gilt als Kulturdenkmal und steht unter Denkmalschutz. Wie das Gebäude, das erst Ende der 90er Jahre für sechs Millionen Mark (3,077 Millionen Euro) saniert wurde, genutzt werden soll, ist noch fraglich. Sicher ist: Ein Verkauf oder Abriß kommen nicht in Frage, heißt es aus Kirchenkreisen.
  • Für das Gemeindezentrum Mümmelmannsberg (Billstedt) gilt: Alles ist offen. Auch ein Abriß ist möglich. Zuletzt wurde jedoch über einen Verkauf spekuliert. Ersatz für den Saal, einen Kindergarten und eine Altentagesstätte, die sich in dem Zentrum befinden, soll durch den Umbau einer Reihenhauszeile geschaffen werden, in der die drei Pastorate untergebracht waren. Inzwischen wird die Arbeit von nur einem Pastor erledigt.
  • Das Gemeindezentrum St. Johannes (Volksdorf) wird abgerissen. Auf dem Gelände plant eine christliche Baugenossenschaft den Neubau von Wohnungen. Den Gläubigen stehen in Volksdorf zwei weitere Gemeindezentren zur Verfügung.
  • Die Gnadenkirche (St. Pauli) wird künftig Versammlungsort einer christlich-orthodoxen Gemeinde. Geplant ist die Kooperation mit einer russischen Gemeinde. Die symbolische Übergabe der Kirche durch Bischöfin Maria Jepsen ist für den 11. Dezember geplant. Das Grundstück soll für einen symbolischen Euro von der Stadt Hamburg an das Moskauer Patriarch verkauft werden. Mitglieder der alten Gemeinde können dort weiter getauft werden.
  • Offiziell ist die Entscheidung über die Zukunft der Heiligengeistkirche (Barmbek) noch nicht gefallen. Auch hier sei alles möglich, heißt es. Allerdings ist auch immer wieder von einem Abriß des Gebäudes die Rede. Die Gemeindemitglieder gehören jetzt, wie die Mitglieder der Bugenhagengemeinde, zur Kreuzkirche.
  • Die Kapernaumkirche (Horn) war die erste Hamburger Kirche, über deren Verkauf öffentlich gesprochen wurde. Inzwischen gibt es offenbar eine Lösung. Nach Abendblatt-Informationen ist geplant, einen Kindergarten in der Kirche unterzubringen.
  • Bei der Nathanaelkirche (Horn) handelt es sich um eine kleine Holzkirche in einer Schrebergartensiedlung, die bereits an eine christliche Afrikanergemeinde vermietet ist.
  • Der Kirchenvorstand hat die Umnutzung der Osterkirche (Langenfelde) schon 2003 beschlossen. Der Grund: Für die kleine, 1200 Mitglieder zählende Gemeinde steht nur 500 Meter entfernt eine zweite Kirche zur Verfügung.
  • Bei der Rimbertkirche (Billstedt) sind alle Optionen offen. Eine Tendenz, ob verkauft oder vermietet wird, ist jedoch noch nicht zu erkennen.
  • Wie die Gnadenkirche und die Nathanaelkirche soll auch die Simeonkirche (Hamm) einer anderen christlichen Gemeinde überlassen werden. Vermutlich wird das Gebäude bald von einer griechisch-orthodoxen Gemeinde genutzt.
  • Die Zukunft der Stephanuskirche (Eimsbüttel) hängt noch in der Luft. Wie die Bethlehemkirche gehört sie zur Gemeinde Eimsbüttel, deren Mitglieder sich jetzt in der Apostel- und der Christuskirche versammeln.
( jmg/hsm )

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