Kommentar: Besetzung des Gängeviertels

Den Protest ernst nehmen

Die Besetzer des historischen Gängeviertels entsprechen so gar nicht dem Klischee. Ihr Protest ist bunt und friedfertig, ihre Verhandlung ruhig und sachlich, ihre Kompromissbereitschaft groß.

Und mit dieser Abkehr von alten Besetzerritualen haben sie breite Unterstützung für ihre Idee - und die Kritik am Umgang mit städtischen Immobilien - gefunden.

Und die beteiligten Behörden? Die eine (Kultur) zeigt Sympathie, die andere (Finanzen) pocht auf den bestehenden Kaufvertrag, die dritte (Bezirk Mitte) will einen runden Tisch einrichten. Gelungenes politisches Management sieht anders aus.

Der Senat muss diesen Protest ernst nehmen, denn die Aktion ist eins nicht: ein isoliert zu betrachtender Fall. Gängeviertel, Ikea-Ansiedlung oder Umgestaltung des Bernhard-Nocht-Quartiers - die Zeiten, in denen der Bau von gläsernen Bürotürmen und der Verlust bezahlbaren Wohnraums hingenommen werden, sind offensichtlich vorbei. Gebildet hat sich ein friedlich dagegen arbeitendes Netzwerk, getragen von breiter Zustimmung. Daraus muss Hamburg lernen.