Kommentar: Hamburg Energie

Ein politischer Neuanfang

Hamburg hat wieder einen städtischen Energieanbieter. Mit der Gründung von Hamburg Energie ist mehr verbunden als der Auftritt eines zusätzlichen Konkurrenten auf dem Markt.

Natürlich sorgt das neue - noch kleine - Unternehmen für mehr Wettbewerb. Davon profitieren hoffentlich am Ende die Bürger der Metropolregion Hamburg durch hoffentlich sinkende Preise. Doch der Wiedereinstieg der Hansestadt in das Energie-Geschäft ist weniger eine Wirtschaftsnachricht. Es ist vor allem ein politisches Signal.

Den in den 90er-Jahren beschlossenen Verkauf der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) an den schwedischen Konzern Vattenfall bewertet auch Bürgermeister Ole von Beust aus heutiger Sicht als Fehler. Mit dem Verkauf der HEW hatte sich Hamburg der Möglichkeit beraubt, selbst aktiv Energiepolitik zu betreiben.

Und dass die grüne Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk mit dem Atomenergie-Produzenten Vattenfall - für den sie nun auch noch den Bau eines Kohlekraftwerks genehmigen muss - höchst unglücklich ist, liegt auf der Hand. Daher ist die Gründung von Hamburg Energie ein politischer Neuanfang. Die Hansestadt will - zugegebenermaßen mit zunächst bescheidenen Möglichkeiten - die Energieversorgung ihrer Bürger inhaltlich gestalten. Damit übernehmen Senat und Bürgerschaft wieder ein Stück von jener Verantwortung, die sie einst an die Wirtschaft abgegeben hatten.

Nun entscheiden die Bürger - also die zahlenden Kunden -, welche Energiepolitik sie wünschen. Ob es bei dieser Abstimmung eine Mehrheit für den heimisch hergestellten Ökostrom geben wird, hängt nun von dauerhaft attraktiven Angeboten ab. Doch dem Mut, nach einem eingestandenen Fehler den Neuanfang zu wagen, gebührt bereits jetzt Respekt.

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