"Focus" zur Krise der HSH Nordbank

Gutachten wirft HSH Nordbank Versäumnisse vor

In der Krise der HSH Nordbank gerät jetzt Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher unter Druck. Erste Kunden sollen sich abwenden.

Hamburg. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG hat in einem Gutachten der HSH Nordbank und den Aufsichtsgremien schwere Versäumnisse vorgeworfen. Die Experten listeten etliche Fälle auf, in denen die Banker gegen die „Mindestanforderungen an das Risikomanagement“ verstießen, wie das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete. Der Aufsichtsrat habe keine „kritische Auseinandersetzung mit der Strategie“ der Bank geleistet.

Neben dem Aufsichtsrat versagte dem Bericht zufolge offensichtlich auch die interne Revision. Diese sollte das Alltagsgeschäft der Bank überprüfen, habe jedoch wohl keinerlei Fehler gefunden. „Es ist richtig, dass KPMG auf Schwächen im Risikomanagement hingewiesen hat“, bestätigte eine Sprecherin am Sonnabend. Diese Schwächen seien aber bereits im Vorfeld vom Vorstand erkannt worden. „Diese Schwächen zu beseitigen, dafür haben wir diverse Projekte mittlerweile aufgesetzt“, sagte die Sprecherin.

Zu den einzelnen Vorwürfen wollte sie sich nicht äußern. Als Beispiele für die Versäumnisse im Risikomanagement führten die KPMG-Prüfer laut „Focus“ Geschäfte der Londoner Filiale mit der „Omega Capital Funding Ltd“ in Höhe von 600 Millionen Euro an, bei denen die HSH Nordbank enorme Kreditrisiken übernahm. Seit 2004 habe die HSH Nordbank in komplizierte Anlageprodukte investiert, die Jahre später die weltweite Finanzkrise auslösten.

Der damalige schleswig-holsteinische Finanzminister Ralf Stegner (SPD) saß zu der Zeit im Aufsichtsrat der Bank, fehlte aber laut „Focus“ bei drei von sechs Sitzungen des Kontrollgremiums. „Ich werde keine Angaben machen zu unserem Aufsichtsrat, wer wie oft woran teilgenommen hat“, sagte die Sprecherin. Angaben, wonach die Luxemburger Tochter der HSH Nordbank, die „HSH Nordbank Securities“, Ende 2008 nur knapp einer Insolvenz entgangen ist, wollte die Sprecherin nicht bestätigen. „Luxemburg war immer schon eine konsolidierte Tochter. (...) Die Tochter stand nicht vor der Insolvenz“, sagte sie.

Dem Magazin zufolge verzichtete die Zentrale auf Forderungen von 400 Millionen Euro. Außerdem übernahm sie 270 Millionen Euro an Wertberichtigungen für Schuldverschreibungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. „Wir hatten keine Wahl“, sagte ein Banker. „Sonst hätten wir für die Insolvenz haften müssen, was noch teurer geworden wäre.“

Nach dem Ärger um die 2,9 Millionen Euro Halteprämie für den Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wenden sich laut „Welt am Sonntag“ Kunden von dem Geldhaus ab. „Mir ist völlig unverständlich, wie ein Vorstandsmitglied Ihres Hauses in der momentanen Situation den Weitblick und mögliche Konsequenzen aufgrund der öffentlichen Wirkung vermissen lässt“, schreibt Andreas Foidl, Chef des Berliner Großmarkts, in einem Brief an die Bank. Auch bei der Schuh-Kette Görtz ist man dem Bericht zufolge verärgert. Derweil soll Nonnenmacher die Manager der Bank aufgefordert haben, die Mitarbeiter von einem Verzicht auf ihren Bonus zu überzeugen. „Nonnenmacher misst mit zweierlei Maß“, sagte eine Führungskraft. „Was ihm recht ist, steht seinen Angestellten längst nicht zu.“