Geesthacht. Mit einem nächtlichen Transport sind am Mittwoch 25 radioaktive Brennelemente vom stillgelegten Atomforschungszentrum Geesthacht zum Hafen im niedersächsischen Nordenham gebracht worden. "Das war für uns ein Routinetransport", sagt Dr. Torsten Fischer, Sprecher vom Helmholtz-Zentrum in Geesthacht.
Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisiert die Fahrt allerdings als "klammheimliche" und "nächtliche" Aktion. Zudem soll der Transport zu schnell durch die Stadt gefahren sein. Fischer widerspricht: "Sicherheit steht beim Transport an oberster Stelle." Dazu gehöre auch, die Öffentlichkeit nicht vorher über den Termin zu informieren und eine günstige Zeit mit wenig Verkehr auszuwählen.
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+++ Atommüll aus Geesthacht in die USA verschifft +++
In Nordenham wurde der Atommüll auf ein Schiff verladen und wird weiter nach Amerika transportiert. Dort findet die Endlagerung statt. Bei der Fahrt habe es indes keine Vorkommnisse gegeben, berichtet Fischer. Die Polizei Geesthacht betreute den Transport. Zudem sei kein Risiko eingegangen worden.
Laut Fischer sei die verbliebene Strahlung der Brennelemente zehn mal geringer als der gesetzlich vorgeschriebene Wert. So soll die Strahlung bei einem dreistündigen Aufenthalt in einem Abstand von einem Meter zum Behälter genau so hoch sein, wie bei einem sechsstündigen Transatlantikflug.
Die Bürgerinitiative sieht das anders. "Der Transport birgt viele Risiken", sagt BBU-Sprecher Udo Buchholz. Gerade auf dem Seeweg könne alles mögliche passieren. "Eine gute Lösung wird es dafür aber nicht geben", räumt er ein. "Es ist natürlich ein Dilemma insgesamt." Der Verband sei aber der Meinung, dass es eine bessere Lösung gewesen wäre, den Atommüll nicht so viele Kilometer zu transportieren.
Das GKSS-Forschungszentrum Geesthacht ist seit Juli 2010 vom Netz, seitdem befindet es sich in der Nachbetriebsphase. Dazu gehöre auch der Abtransport der radioaktiven Brennelemente zurück in die USA zum Uranlieferanten, so Fischer. Bereits während der Laufzeit wurden die verbrauchten Brennelemente im Rahmen eines Abkommens dorthin zurückgeschickt.
Mittwochnacht war nun der abschließende Transport - die 25 verschifften Brennelemente waren die letzten verbliebenen im Forschungszentrum.
In dem Zentrum wurden über 50 Jahre Materialien für den Flugzeugbau und für die Medizin untersucht. Der vollständige Abbau wird noch einige Jahre dauern. In rund vier bis fünf Jahren soll mit den Maschinenanlagen begonnen werden. Weitere radioaktive Abfälle sollen anschließend zur Einlagerung ins künftige Endlager Schacht Konrad gebracht werden.
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