Ochsenwerder

Sorge um Storchennest - Windradbau gestoppt

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Matthias Rebaschus und Carina Braun

Bürger in Ochsenwerder kämpfen vehement gegen zwei Anlagen. Gebiet ist zum Schutz des Storches aus der Planung genommen worden.

Hamburg. Die Umwelthauptstadt Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, die Windenergie mit neuen Anlagen und der Verstärkung alter Anlagen (Repowering) auszubauen. Doch nun macht in den Vier- und Marschlanden ein großer Vogel dem Projekt einen Strich durch die Rechnung: Weil in Ochsenwerder der Storch nistet, werden dort zwei geplante Windanlagen mit zusammen vier bis fünf Megawatt nicht gebaut. Das Gebiet ist zum Schutz des Storches aus der Planung genommen worden. Das erklärte die Umweltbehörde dem Abendblatt.

In den Vier- und Marschlanden kämpfen zwei Bürgerinitiativen gegen die Anlagen. "Weil die Behörde Klagen befürchtet, hat sie den Rückzieher gemacht", sagt Jens Heidorn, Geschäftsführer der Wind- und Solaranlagenfirma Net OHG, die neben Planung und Bau der Windräder auch die Interessen der Windanlagenbetreiber in Bergedorf vertritt. Denn eine einzige Klage gegen eines der Gebiete könnte die Änderung des Flächennutzungsplans für das gesamte Hamburg verzögern. Ein neuer Plan ist wiederum Grundlage für neue oder stärkere Anklagen.

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Der Storchenhorst ist auf einen Holzmast montiert und steht am Ochsenwerder Norderdeich 194 in einer Entfernung von 660 Metern zu einer seit 20 Jahren bestehenden Windkraftanlage. "Eine Gefährdung des Storches ist in den Vierlanden nicht nachweisbar. Bisher ist dort kein Storch durch Windräder ums Leben gekommen", sagt Heidorn. Er kritisiert, dass in einem Gutachten der Umweltbehörde die Altanlage in 660 Meter Entfernung gar nicht erwähnt worden sei. "Dabei würde diese Anlage im Rahmen des Repowerings abgebaut. Da sich diese Anlage direkt zwischen dem Horst und den Kirchwerder Wiesen, einem Nahrungshabitat des Storches, befindet, vertreten wir die Auffassung, dass sich die Situation sogar verbessert", sagt er. Die Bürgerinitiative Windkraftanlagen Ochsenwerder (Bi-W-O) ist gegen "Beeinträchtigungen und Belästigungen jeglicher Art, die durch zusätzliche und größere Windenergieanlagen entstehen, die näher an der vorhandenen Wohnbebauung in Ochsenwerder errichtet werden könnten". Dadurch würde die Entwicklung von Ochsenwerder beeinträchtigt. Die Initiative: "Flächen, welche potenziell für Wohnbebauung genutzt werden könnten, wären später unattraktiv und kaum noch zu nutzen." Das ist jedoch Spekulation, denn laut Bezirksamt ist dort kein Wohnungsbau vorgesehen. Das Bezirksamt Bergedorf hat wegen der Proteste einen runden Tisch eingerichtet.

Immer wieder stehen sich in Hamburg Bauprojekte und Natur entgegen. In den 90er-Jahren verhinderte der Vogel Wachtelkönig den Bau von 3000 Wohnungen in Neugraben-Fischbek. Auch als das Cinemaxx sein heutiges Gebäude am Dammtor errichten wollte, verzögerte sich der Bau wegen nistender Vögel um Jahre. Der Baukonzern Strabag Real Estate sagte seine geplante Zentrale an der Mundsburg ab, weil am Standort Fledermauskot gefunden wurde. Der Schierlings-Wasserfenchel verzögerte die Planung der Elbvertiefung. Und in Allermöhe liegt ein Bauprojekt auf Eis, weil zwei bis drei Paare der seltenen Uferschnepfe dort brüten.

In anderen Fällen wurde trotzdem gebaut. Im Buchenhofwald, wo mehr als 40 000 Menschen gegen Wohnungen und für den Erhalt von Bäumen stimmten, kassierte der Senat den Bürgerentscheid zugunsten des Baus von Genossenschaftswohnungen. Im Altonaer Othmarschen-Park gab es vergangenen Freitag den ersten Spatenstich für ein Bauprojekt mit 800 Wohneinheiten, obwohl dort das Hamburger Hauptvorkommen der Kiebitze registriert ist - ausgerechnet der Patenvogel Altonas, für den nun als Ausgleich zwei Geländesenken in der Rissen-Sülldorfer Feldmark hergerichtet werden sollen. Für die Airbus-Werkserweiterung ließ die Stadt Hamburg in den Jahren 2001 bis 2003 trotz dort nistender Löffel- und Krickenten etwa ein Fünftel des Flussgebiets Mühlenberger Loch mit Sand zuschütten und ausspülen. Bis heute wurden keine ausreichenden Ausgleichsflächen hergerichtet.

In den 1990er Jahren löste die auf der Roten Liste stehende Schachbrettblume Streit aus. Naturschützer wollten Bauern auferlegen, weniger zu düngen, um die Pflanze im Harburger Naturschutzgebiet nicht zu gefährden.

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