Hamburg-Hamm

"Wir bleiben!" Anwohner kämpfen gegen geplanten Abriss

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Henrik Jacobs

Genossenschaft plant Abriss eines Wohnblocks. Neubau würde die Mieten verdoppeln. 40 Anwohner besuchten die Bezirksversammlung.

Hamburg. Die Anwohner des Hauses der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (VHW) in Hamm-Nord kämpfen weiter gegen den geplanten Abriss. Am Donnerstag fuhren 40 Mieter des Wohnblocks zur Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, um vorbereitete Fragen zu stellen. Unterstützt wurden sie dabei vom Hamburger Mieterverein. Zuvor rollten sie an der Wohnanlage Am Elisabethgehölz demonstrativ ein Banner mit der Aufschrift "Wir bleiben!" aus. Die VHW plant den Abriss eines Hauses, in dem derzeit knapp 200 Menschen wohnen. Die Miete im geplanten Neubau würde von derzeit durchschnittlich 4,50 Euro pro Quadratmeter auf 11,50 Euro steigen.

Die Anwohner wollten von den Politikern vor allem erfahren, ob der Leerstand in dem Haus genehmigt sei. Derzeit stehen 8 der 122 Wohnungen leer. VHW-Vorstand Marcus Kopplin rechtfertigt das Vorgehen der Genossenschaft: "Es gibt von unseren Mitgliedern keine Nachfrage nach den Wohnungen", teilte er auf abendblatt.de-Anfrage mit. Die VHW hat aktuell 15.500 Mitglieder.

Die Politiker von SPD, CDU, Linkspartei und Grünen bekundeten auf der Bezirksversammlung fraktionsübergreifend, dass das Vorgehen der VHW nicht in Ordnung sei. Sie sagten den Mietern Unterstützung zu. Der Abrissantrag wurde um sechs Monate bis Mai 2012 zurückgestellt. Das Haus sei zwar sanierungsbedürftig, der Sanierungsstau aber von der VHW selbst verursacht.

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In Hamm-Nord hat die Hansestadt noch ihr typisches Backsteingesicht. Die alten Häuser zwischen dem Curtiusweg und dem Chapeaurougeweg im Stil des früheren Hamburger Baudirektors Fritz Schumacher prägen das Viertel, das während des Zweiten Weltkriegs nahezu völlig zerstört wurde. Doch das Bild könnte sich hier bald ändern. Die Vereinigte Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (VHW) plant den Abriss des Wohnblocks nahe der Sievekingsallee für einen riesigen Neubau mit 120 Wohnungen. Rund 200 Menschen sollen das Haus verlassen. Die VHW hat den Anwohnern während eines Gesprächs am 29. August mitgeteilt, dass das Haus abgerissen werden soll. Der Antrag ist bereits gestellt. Im Mai 2012 soll die Entscheidung fallen.

"Wir waren geschockt“, berichtet Thomas Peemöller, der seit 15 Jahren in dem Haus lebt. Die Anwohner gingen davon aus, dass die VHW über Modernisierungsarbeiten informieren wollte. So hatte es die Wohnungsbaugenossenschaft bereits mit den benachbarten Häusern gemacht. Doch es kam anders. Eine Instandhaltung käme nicht in Frage, teilte VHW-Vorstand Marcus Kopplin den Mietern bei dem Treffen mit. Eine Modernisierung sei zwar möglich, die Miete wäre anschließend aber fast genauso teuer wie in einem Neubau.

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11,50 Euro soll der Quadratmeter für die überwiegend Zwei- bis Dreizimmerwohnungen kosten. Damit würde sich die Miete für viele Bewohner mehr als verdoppeln. Der Ersatzneubau sei die einzige wirtschaftlich vertretbare Alternative. „Die Wohnanlage ist 90 Jahre alt, das Ende ihres Lebenszyklus erreicht“, sagt Kopplin. Baumängel wie geringe Wärmedämmung, schlechter Schallschutz oder die teilweise ungünstigen Grundrisse würden sich nicht mit vertretbarem Aufwand beseitigen lassen, argumentiert der Vorstand. Zudem seien die gesetzlichen Anforderungen an den Wärmeschutz und die Belüftung der Wohnungen erheblich verschärft worden.

Die Anwohner fühlen sich verdrängt. 60 der derzeit 114 Mietparteien wollen nicht ausziehen und haben die Anwohnerinitiative „Rettet Elisa“ gegründet - in Anlehnung an die anliegende Straße Am Elisabethgehölz. Einige Mieter haben das Haus bereits verlassen und alternative Angebote der VHW angenommen. Doch viele Anwohner wollen bleiben. „Das Haus muss erhalten bleiben, sonst verliert der Stadtteil sein architektonisches und soziales Gesicht“, sagt Winfried Prehn. Er wohnt seit 1981 in dem Haus und zahlt für seine Wohnung 4,50 Euro pro Quadratmeter. Das ist hier der Durchschnittspreis.

Die VHW bietet den Mietern zwar Ersatzwohnungen in dem Quartier an, diese kosten aber 6,50 Euro pro Quadratmeter. „Die Angebote sind zynisch“, sagt Prehn. Einem Ehepaar im Alter von 80 Jahren, das im Erdgeschoss wohnt, habe die VHW eine Wohnung im dritten Stock angeboten – ohne Fahrstuhl. „Wir werden mit allen Mietern gemeinsam nach akzeptablen Lösungen suchen“, sagt VHW-Chef Kopplin. Die Genossenschaft verfüge über ausreichend bezahlbaren und attraktiven Wohnraum in der Nachbarschaft. Kopplin sei sicher, dass mit allen Bewohnern einvernehmliche Lösungen gefunden werden.

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Die Bewohner glauben der Genossenschaft nicht. Vor allem das Argument, für die bereits leerstehenden Wohnungen würden sich kaum Interessenten finden, sei falsch. „Ich kenne Leute, die sich für eine Wohnung beworben haben und von der VHW abgelehnt wurden“, sagt Winfried Prehn. Auch die Aussage, die Mängel würden sich nicht mit vertretbarem Aufwand beheben lassen, stimme nicht. „Wir haben mit Experten gesprochen. Das Haus ist nicht baufällig. Es gibt nichts, was man nicht reparieren kann“, sagt Anwohner Philipp Jung. Er wohnt seit fast vier Jahren in dem Haus und kann die Pläne der VHW nicht nachvollziehen. „Der Vorstand glaubt, er könne mit allen Mietern Lösungen finden. Aber viele, die hier wohnen, sind auf den preiswerten Wohnraum angewiesen“.

Am Donnerstag will Jung mit seinen Nachbarn zur Bezirksversammlung Mitte gehen. Die vorbereiteten Fragen stellt Wilfried Lehmpfuhl vom Mieterverein Hamburg, der sich für die Anwohner und den Erhalt des Hauses einsetzt. „Das ist ein Stück Hamburger Identität“, sagt er. Lempfuhl glaubt, dass die VHW den geplanten Neubau wieder streicht, weil sich zu viele Bewohner wehren. Das Interesse an dem Neubau kann er aber nachvollziehen. Viele Familien würden sich mittlerweile für eine Wohnung in Hamm interessieren. Lehmpfuhl: „Der Stadtteil wird immer schöner. Hamm ist ein echter Geheimtipp“.

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