St. Georg

Deutsche Bahn erhält Hausrecht am Hachmannplatz

Foto: Marcelo Hernandez

Probleme mit Trinkern: Bezirk gibt Fläche vor Hauptbahnhof für zunächst drei Monate ab. Die Bahn fordert stärkeres Engagement der Politik.

St. Pauli/St. Georg. Für seine Politik gegenüber Obdachlosen ist Markus Schreiber (SPD), Leiter des Bezirksamts Mitte, zuletzt oft kritisiert worden. Während der Streit um den sogenannten Anti-Obdachlosen-Zaun unter der Kersten-Miles-Brücke noch voll im Gange ist, hat der City-Ausschuss der Bezirksversammlung jetzt beschlossen, das Hausrecht für den Vorplatz des Hauptbahnhofs am Hachmannplatz an die Deutsche Bahn zu übertragen - für zunächst drei Monate. Wie berichtet, erwägt der Bezirk, die als öffentlichen Raum ausgewiesene Fläche zu privatisieren. Hintergrund sind auch dort Probleme mit Trinkern und Obdachlosen.

Die Regelung soll in den kommenden Tagen in Kraft treten und nach drei Monaten unter Beteiligung aller sozialer Einrichtungen, die mit den Belangen von Obdachlosen am Bahnhof befasst sind, auf den Prüfstand gestellt werden.

Die Deutsche Bahn fordert indes ein stärkeres Engagement des Bezirks Mitte. Bevor die Bahn das Hausrecht ausübe, müssten Bahn und Bezirk gemeinsam ein Handlungskonzept erarbeiten, dies sei unverzichtbar, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Spekulationen, der Sicherheitsdienst der Bahn werde hart durchgreifen und rigoros Platzverweise aussprechen, wenn das Unternehmen erst über die Befugnisse verfüge, wies Meyer-Lovis zurück. "Wir wollen keine Verdrängung der Obdachlosen. Damit wir den Menschen gezielt Hilfsangebote unterbreiten können, müssen alle sozialen Einrichtungen vorher an einen Tisch."

Unterdessen erklärten sich die sechs Bezirksamtsleiter im Streit um den 18.000 Euro teuren Zaun solidarisch mit Schreiber. "Die Situation hatte sich so entwickelt, dass das Bezirksamt zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung tätig werden musste", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Nach Schreibers Ankündigung, ein Zaun-Abriss sei möglich, wenn es geeignete Alternativvorschläge gebe, sollen in der kommenden Woche Schlichtungsgespräche beginnen.