Hamburg

Zutritt verboten: Terrassen-Posse in Altona

Foto: Axel Tiedemann

Der Bezirk und die Entwicklungsgesellschaft sind im Streit um Haftungsfragen bei Kreuzfahrtterminal. Bürgerschaft eingeschaltet.

Hamburg. Ein Eventdach sollte es eigentlich werden, ein Ersatz für die beliebten Beach-Clubs am Altonaer Elbufer. Lange hatten die Bezirkspolitiker in Altona darum gerungen, nachdem klar war, dass dort am früheren Anleger der Englandfähre ein zweites Hamburger Kreuzfahrttermina l gebaut werden sollte. Im April dieses Jahres dann bei der Eröffnung des neuen Terminals der erste Schock: Das angebliche Eventdach entpuppte sich als eine eher schmale Aussichtsterrasse, weil man sparen wollte. Jetzt die nächste böse Überraschung: Ein dickes Metalltor versperrt den Zugang zu der Dachterrasse komplett - weil sich Behörden über Sicherungs- und Haftungsfragen streiten. Und das nun schon seit April.

Dabei hatte es vor der Baugenehmigung klare Auflagen gegeben, dass das Dach des Kreuzfahrtterminals für die Bevölkerung zugänglich sein muss, wie der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Robert Heinemann sagt: "Hier werden Auflagen unterlaufen, die sicherstellen sollten, dass trotz der Bebauung am Wasser die Elbe weiterhin sichtbar und erlebbar sein sollte", kritisiert der Altonaer Abgeordnete. Kaum nachvollziehbar, so Heinemann weiter, warum städtische Stellen sich hier nicht schneller einigen können.

Kontrahenten in diesem Behördenzwist sind die städtische Fischereihafen Entwicklungsgesellschaft (FEG) auf der einen und das Bezirksamt Altona auf der anderen Seite.

Wie beim benachbarten und begehbaren Bürobau Dockland soll die Zugänglichkeit des Terminals eigentlich durch einen städtebaulichen Vertrag sichergestellt werden - über den nun eben schon seit Monaten zwischen FEG und Bezirk verhandelt wird. Gleichzeitig soll mit dem Vertrag auch die Benutzung des Weges an der Elbe geregelt werden, der eigentlich Teil des Elbwanderwegs ist.

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Ein vergleichbarer Vertrag aus dem Jahr 2001 regelt demnach auch, dass bis zu 500 Menschen das an eine große Yacht erinnernde Dockland mit seinem Treppendach begehen können. Geöffnet ist das futurische Gebäude gleich neben dem Terminal in der Regel von 14 bis 22 Uhr in der Woche und von 14 bis 20 Uhr an Wochenenden. Nur bei extremer Witterung wie Eisgang oder bei Massenveranstaltungen wie etwa beim Hafengeburtstag lässt der Immobilien-Eigentümer, die Robert Vogel GmbH, das Dach sperren. Zudem setzt das Unternehmen private Sicherheitsdienste ein, um einen geordneten Zugang sicherzustellen.

Einen entsprechenden Sicherheitsdienst vom Bezirk fordert nun auch die FEG, heißt es beim Bezirksamt Altona. "Doch wir stehen auf dem Standpunkt, dass das vom Betreiber geregelt werden muss", sagt Bezirksamtssprecherin Kerstin Godenschwege. Noch würden daher weiter Gespräche über das Thema geführt.

Doch mittlerweile nähert sich der Sommer und damit die schönste Zeit an der Elbe ihrem Ende, beklagt der CDU-Politiker Heinemann und fordert vom Senat eine Änderung. Offensichtlich hat er mit seiner Kritik ein wenig Erfolg. Denn auch die Altonaer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok befasst sich jetzt intensiv mit der Schranke vor der Aussichtsterrasse.

Auf Antrag der SPD-Fraktion soll sich nun der Verkehrsausschuss der Bürgerschaft in den Streit einschalten und eine rasche Lösung suchen, um die Behörden-Posse zu beenden. "Schließlich handelt es sich bei den Standorten Kreuzfahrtterminal und Dockland nicht nur um eine bedeutende Altonaer Fläche, sondern auch um bedeutende Eingänge für Touristen und Besucher", so die SPD-Politikerin. Offensichtlich seien Fragen von Sicherheit und Haftung bei der Planung aber nicht im Blick gewesen, kritisiert sie. Krischok: "Das werden wir jetzt nachholen."

Das könnte sich lohnen. Denn offensichtlich ist bei Planung und Bau dieses Kreuzfahrtterminals einiges schiefgelaufen: So waren das Terminalgebäude und die neue Kaimauer zunächst mit 12,5 Millionen Euro kalkuliert worden. Dann kostete der Bau satte 29 Millionen Euro, wie der Rechnungshof kritisierte. Und auch bei der Planung von Dachterrasse oder Event-Dach war nicht alles von Anfang bedacht worden, wie es scheint: So sah der ursprüngliche Entwurf der Architekten Renner Hainke Wirth eine begehbare Fläche von immerhin 2375 Quadratmetern vor. Doch Brandschutz und notwendige Rauchabzüge ließen eine so großzügige Planung dann doch nicht zu. Die Terrasse wurde daher nur 528 Quadratmeter groß - aber wohl noch immer zu groß, um eine Lösung für Sicherheitsfragen zu finden.