Zwischenruf

Liebe Studenten und Studerpel

Eine Glosse von Carina Braun

Liebe Lesende. Ja, Sie. Und Er natürlich auch. Oder so. Herrje, äh, frauje: Die deutsche Sprache ist kompliziert, und wie immer sind es die Geschlechter, die die größte Verwirrung stiften. Ausgerechnet lupenreinen Muttersprachlern stößt in unregelmäßigen Abständen ein altgedienter Kniff der heimischen Grammatik sauer auf: Das generische Maskulinum, kurz GM, schließt im männlichen Plural Männlein wie Weiblein gleichermaßen mit ein. Jahrhundertelang beherrschte es den deutschen Sprachraum souverän. Bis sich mancheine(r) nicht mehr angesprochen fühlte.

Aufgeschreckte Behörden haben, um nicht als Frauenfeindinnen zu gelten, seither das Binnen-I eingeführt und fleißig Partizipien substantiviert. Die meisten Medien dagegen sind gallische Dörfer geblieben. Das studentische Online-Magazin "info-parkour" der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften etwa weigert sich beharrlich, von "Studierenden" statt von "Studenten" zu schreiben, was den Geld gebenden AStA dieser Tage Diskriminierungstendenzen wittern ließ. Er sehe es lieber, ließ er verlauten, wenn die Geschlechtsneutralität gewahrt bliebe. Die Chefredaktion wertete das als Angriff auf die Pressefreiheit - und stellte die Arbeit bis aufs Erste ein.

Verfechter des generischen Maskulinums monieren indes schon lange, dass es dem neudeutschen Trend an Konsequenz mangele. Der Korrektheit halber, fordern sie, müsse es auch "Mörderinnen und Mörder", "Vollidiotinnen und Vollidioten" heißen und im Geschichtsunterricht doch bitte künftig der "Bürger- und Bürgerinnenkrieg" gelehrt werden. Ganz nach dem Motto: Wer "Studenten" sagt, muss auch "Studerpel" sagen.