Die Einmischung von unten kann sich wieder lohnen

Beim "Recht auf Stadt"-Kongress geht es um kreative Formen des Bürgerprotestes

Hamburg. Neu sind die Ideen und Probleme nicht, die Veränderungen im sozialen Gefüge einer Stadt mit sich bringen können. Doch neu für Hamburg ist, dass die Politik in den vergangenen zwei Jahren Lernfähigkeit bewies und dass der Widerstand, von unten und aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten kommend, reale und oft erstaunliche Ergebnisse auslöste.

Das Gängeviertel, der "Not in our Name, Marke Hamburg"-Protest von Künstlern gegen ihre Vermarktung als Standortfaktor, der Streit um den Ikea-Neubau an der Großen Bergstraße, das Kraftwerk Bille, die Debatten um die Zukunft der Roten Flora, um die kulturelle Nutzung des Oberhafenquartiers in der HafenCity, um das Schicksal des Molotow oder der Esso-Tankstelle am Spielbudenblatz - lokale Fallbeispiele gibt es genug, über die die Besucher des "Recht auf Stadt"-Kongresses bis zu diesem Sonntag diskutieren können. Noch vielschichtiger wird das ohnehin schon komplexe Themenbündel rund um das Schlagwort Gentrifizierung durch die Möglichkeit, neben den Gesprächsrunden kreative Formen des Protests zu erkunden oder sich über Erfahrungen und Ziele auszutauschen.

Dafür bieten sich an einem knappen Dutzend Veranstaltungsorten viele Gelegenheiten: Am Sonnabend um 11 Uhr werden in der Roten Flora die Auswirkungen der ökonomischen Prozesse in der Türkei auf Istanbul diskutiert. Um 15 Uhr beginnt "Ein Besuch in Altopia", ein Rundgang zur Besichtigung des Bebauungsvorhabens Neue Mitte Altona (Treffpunkt: Blaue Blume, Gerichtstr. 49).

Zeitgleich berichten die chinesischen Künstler Wu Meng und Zhao Chuan in der Puppenstube im Gängeviertel unter anderem darüber, was passierte, als symbolische Aktionen in Hamburgs Partnerstadt Shanghai auf die Staatsmacht trafen. Um 17.30 Uhr startet am Anleger Citysporthafen die Hafenrundfahrt "Immer der Ware nach", die Auswirkungen der Globalisierung sichtbar machen soll. Am Sonntag, 13.30 Uhr, ist Park Fiction an der Hafenstraße Ausgangspunkt für eine "musikalische Demo" unter dem Motto "Bass Away Vattenfall".

Programm : http://kongress.rechtaufstadt.net . Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos, Spenden sind willkommen.