Hamburger Unternehmer

Neue Jobs: Hansen plant Raffinerie im Norden

Foto: Ingo Röhrbein / Ingo Röhrbein/Ingo Roehrbein

Als möglicher Standort für die Raffinerie ist Hamburg im Gespräch. Das Unternehmen Hansen & Rosenthal will 100 Millionen Euro investieren.

Hamburg. Weißes Hemd mit bunten Applikationen und Jeans. Nur für das Foto zieht Nils Hansen sein Jackett an. Ansonsten mag es der 70-Jährige am Arbeitsplatz zwar korrekt, aber eher lässig. Hansen kann sich dies leisten, schließlich ist er Chef und Eigentümer der Hamburger Unternehmensgruppe Hansen & Rosenthal, zu der auch mehrheitlich die H&R Wasag gehört. Fast 1600 Mitarbeiter weltweit, eine Milliarde Euro Umsatz und ein Wachstumskonzept, das der Stadt weitere Arbeitsplätze bescheren wird. "Wir expandieren", sagt der Unternehmer und blickt aus seinem Büro in der HafenCity.

Die zu H&R Wasag gehörende Raffinerie Hamburg-Neuhof baut eine 55 Millionen Euro teure Propanentasphaltierungs-Anlage zur Gewinnung von Öl und Bitumen. Damit sollen bis Jahresende 15 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Zudem plant Hansen einen weiteren Raffinerieausbau für rund 100 Millionen Euro. Bei der Investitionsentscheidung kommen Salzbergen in Niedersachsen, wo er auch schon eine Anlage betreibt, und die Hansestadt infrage. Die Nähe zum Wasser könnte den Ausschlag für Hamburg geben. Gerade vor dem Hintergrund, dass Shell seine Raffinerie in Harburg zum Teil abreißen und den Rest verkaufen will, erscheint das Projekt von Hansen interessant. "Wir bedauern die Umstände für die Mitarbeiter sehr, aber wir verfolgen mit unseren Raffinerien ein anderes Konzept", sagt Hansen.

Mit der neuen Investition will er erreichen, "dass wir in die Lage versetzt werden, Rohöl bis auf den letzten Tropfen für die Herstellung neuer Produkte verwenden zu können." Derzeit lassen sich bestimmte Öle nur zu etwa 50 Prozent für die Grundstoffherstellung verwenden, der Rest ist aus seiner Sicht schlicht Abfall, der entweder als Heizöl oder Schiffsdiesel verkauft wird. "Den bislang nicht für Prozesse verwendbaren Anteil wollen wir quasi zu 100 Prozent in hochwertige Produkte mit erheblichen Wertschöpfungspotenzial verwandeln - mit den Zielen, keinen Heizölanteil mehr zu generieren", so Hansen. In vier bis fünf Jahren will er soweit sein, dass in seiner Produktion keine Reststoffe mehr entsorgt werden müssen. Damit würden die CO2-Emissionen sinken und zugleich würde Hansens Kostenstruktur besser.

Ein problematisches Produkt sind Bitumina, die bei der Weiterverarbeitung von Rohöl übrig bleiben. Bislang wird die schwarze, teerartige Masse meist als Straßenbelag verarbeitet. Hansen verfolgt eine neue Technik, mit der sich Bitumina so weit veredeln lassen, dass sie in verschiedenen Industrien teuren Harz ersetzen können. "Ein Forschungsauftrag ist bereits vergeben", so der Unternehmer.

Hansen plant zudem Expansionen im Ausland: "Wir wollen unsere Produktion in China erweitern. In den USA, wo wir ebenfalls tätig sind, schauen wir uns um, ob eine Raffinerieübernahme möglich ist." Unter seiner Regie wurde die Firma, die 1919 von Nils Hansens Großvater als Handelshaus für Vaseline und Weißöle gegründet wurde, zum Produzenten umgebaut. Allein in Hamburg arbeiten 650 Beschäftigte für die Gruppe. Zur Produktpalette gehören auf Rohöl basierte Erzeugnisse, die zum Beispiel in Käserinde, Lippenstiften und Druckfarben zu finden sind. Und natürlich Weichmacher zur Herstellung von Reifen. Hier ist Hansen & Rosenthal Weltmarktführer. "Und wir haben noch einiges vor", so der Chef. Unter anderem arbeitet die Firma an einer Technik, die den Rollwiderstand bei Reifen verringern soll. Der Konzern produziert auch Weißöle, eine Grundlage für Gesichtscremes, sowie Paraffine.

Hansen selbst ist noch jeden Tag "von 7.50 bis 18 Uhr" im Unternehmen, wie er sagt. Auch seine Söhne Niels und Sven arbeiten mit. "Die Nachfolge ist also gesichert", sagt er zufrieden.