Bezirksämter in der Hansestadt

Zu wenig Personal: Hamburgs Ämter lassen Bürger warten

Schlangen in den Bezirksämtern und langes Warten bei Anträgen: "Uns fehlt Personal", klagen die Ämter. Hunderte Stellen unbesetzt.

Hamburg. Lange Wartezeiten in den Kundenzentren; Anträge auf Wohn- und Elterngeld, die erst nach Monaten bearbeitet werden; Schlaglöcher, die nicht ausgebessert werden. Die Hamburger Bezirksämter, die einen großen Teil der Dienstleistungen für die Bürger erbringen sollen, arbeiten in vielen Bereichen nur noch schleppend. Jetzt schlagen die Bezirke Alarm: "Massive Personalknappheit führt dazu, dass in vielen Bereichen die Arbeit nicht mehr bewältigt werden kann", sagt Mittes Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD). Schuld an der Misere seien Hunderte unbesetzte Stellen in den Ämtern. Und das sei eine Folge der massiven Einsparforderungen des Senats.

Die Bezirke dürfen demnach pro Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag weniger ausgeben. "Allein in diesem Jahr sollen wir zusätzlich 10,6 Millionen Euro einsparen. Das ist eine Zumutung", sagt Schreiber. Allein in seinem Bezirksamt sind 70 Stellen vakant: "Im Sozialamt müssten wir 13 Stellen neu besetzen, in der Tiefbau- und Grünabteilung fehlen zehn Mitarbeiter."

Im Bezirk Eimsbüttel sind von den insgesamt 870 Stellen sogar 80 unbesetzt. Die verbliebenen Mitarbeiter müssten die Aufgaben ihrer nicht mehr vorhandenen Kollegen miterledigen, sagt Bezirkschef Torsten Sevecke (SPD). "Das bedeutet, dass es in einzelnen Bereichen wie der Elterngeld- oder Wohngeldstelle zu verlängerten Bearbeitungszeiten kommt." Wenn etwa - wie kürzlich bei den Kita-Gutscheinen - das Antragsverfahren geändert werde, sei das Bezirksamt nicht mehr in der Lage, das Personal in der Abteilung aufzustocken, um die Mehrarbeit sofort zu leisten. Die Bürger müssen länger auf das ihnen zustehende Geld vom Amt warten und gegebenenfalls zwischenfinanzieren.

Diese Erfahrung hat auch Nadin von Koss aus Stellingen gemacht. Die 29-Jährige musste nach der Kita-Gebührenerhöhung lange auf einen neuen Gutschein warten: "Der alte Gutschein für mein Kind lief zum 30. September aus, den neuen habe ich erst im November bekommen." Auch die Angestellte Monika Kostka aus Winterhude hat negative Erfahrungen gemacht: "Immer wenn ich mit dem Jugendamt wegen des Unterhalts zu tun habe, dann dauert die Bearbeitung der Anträge Monate. Das ist ärgerlich."

Der Altonaer Bezirkschef Jürgen Warmke-Rose (parteilos) gibt zu: "Wir können unsere Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllen." 1000 Stellen hat sein Amt, 54 davon kann er in diesem Jahr nicht nachbesetzen. Dramatisch seien die Engpässe bei den Hilfen zur Betreuung, etwa von Demenzkranken und Drogenabhängigen. "Die Fallzahlen sind um zehn Prozent gestiegen, aber wir haben viel zu wenig Personal", sagt Warmke-Rose. Zusätzliche Stellen würden nicht bewilligt.

Im Bezirk Nord sieht es nicht besser aus. Dort sind 74 Stellen vakant. Die Prognose von Bezirksamtsleiter Wolfgang Kopitzsch (SPD) ist düster: "Wenn wir immer weitersparen müssen, müssen wir bis 2014 mehr als 100 Stellen streichen." Die Finanzbehörde kann die Kritik der Bezirksamtsleiter nicht nachvollziehen: "Die Personalknappheit resultiert nicht aus den Sparvorgaben", sagt Sprecher Daniel Stricker.