Winterwetter

Bahn rät von Zugreisen ab - Endstation Winter

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Schnee und Eis lähmen Europa. Flüge werden gestrichen. Auch am Hamburger Hauptbahnhof müssen sich Reisende auf lange Wartezeiten einstellen.

Hamburg. Chaos auf den Flughäfen, überfüllte Züge, eisglatte Straßen - der Winter hat Europa fest im Griff. Tausende Reisende mussten wenige Tage vor Weihnachten unter teils unzumutbaren Bedingungen auf Flughäfen campieren, weil Flüge ausfielen oder sich um viele Stunden verspäteten. Am Frankfurter Flughafen, der gestern wegen der heftigen Schneefälle für eine Stunde geschlossen werden musste, kam es unter den Fluggästen sogar zu Tumulten, die Polizei musste einschreiten. Allein hier wurde bis gestern Abend knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge gestrichen.

"Der Flugverkehr ist durch die Schneefälle komplett durcheinandergeraten", sagte Stefanie Harder, Sprecherin des Hamburger Flughafens. Dort fielen 35 Verbindungen aus - vor allem die Flüge aus und zu den eingeschneiten Flughäfen in London, Paris, Amsterdam und Frankfurt. Und Entwarnung ist nicht in Sicht: In den nächsten Tagen soll weiter viel Schnee fallen.

Zwar hatten die Fluggesellschaften zum Umsteigen auf die Bahn geraten, doch dort sah es nicht besser aus: Viele Züge waren überfüllt, verspätet oder fielen aus. Zudem drosselte die Bahn die Höchstgeschwindigkeit ihrer Fernzüge auf 200 Kilometer pro Stunde. Am Hamburger Hauptbahnhof gab es Verspätungen von bis zu zwei Stunden, Reisende beschwerten sich über mangelnde Informationen und schwer verständliche Lautsprecherdurchsagen.

Die Bahn riet in einer ungewöhnlichen Aktion sogar von Zugreisen ab: Wegen der schwierigen Straßenverhältnisse und der vielen Flugausfälle sei mit "Kapazitätsengpässen" zu rechnen. Reisende sollten, wenn möglich, auf "weniger nachgefragte Zeiten" ausweichen. Fahrkarten können ausnahmsweise kostenlos storniert werden. "Auch in den nächsten Tagen muss mit weiteren Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden. Fahrgäste planen am besten zusätzlich eine halbe Stunde Zeit ein", sagte Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst.

Mit Kritik reagierte der Fahrgastverband "Pro Bahn" auf den Ratschlag der Bahn, auf Zugfahrten zu verzichten. Dass die Bahn zurzeit so unzuverlässig sei, liege an den Folgen einer jahrelangen Sparpolitik, sagte Karl-Peter Naumann, "Pro Bahn"-Bundesvorsitzender, dem Abendblatt. "So bitter diese Erkenntnis ist, so wahr ist sie auch: Dieser Tage sollte auf die Bahn verzichten, wer kann." Die Verantwortlichen hätten in der Vergangenheit allzu sehr auf den Börsengang und Prestigeprojekte wie Stuttgart 21 gesetzt. "Nun fehlen also Weichen, um Züge abzustellen oder umzuleiten, und nun sind die Wagenmaterialien veraltet, vor allem bei den IC-Zügen", sagte Naumann.

Kritik kam auch vom verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer. Die gegenwärtigen Zugverspätungen seien maßgeblich auf "dramatische Wartungsmängel" am Schienennetz zurückzuführen, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Deutsche Bahn ist nicht winterfest."