Offen gesagt

Feel Ruhm, feel Air

Eine Glosse von Armgard Seegers

Unglaublich! Innerhalb von einer Woche liest man in sämtlichen Feuilletons des Landes von "Coming of age"-Geschichten. Mal geht es um einen Internatsroman, mal um einen brasilianischen Jugendfilm, eine Gangster-Saga oder einen Film über Freundschaft. Immer wird der Inhalt als "Coming of age"-Geschichte beschrieben. In der taz wie in der FAZ, im "Spiegel", der "Süddeutschen" oder der "Frankfurter Rundschau". Überall sitzen Kollegen, die mit ihrem Englisch angeben wollen und die dabei gar nicht zu wissen scheinen, dass es das schöne Genre des Entwicklungsromans gibt. Ein urdeutsches Phänomen, das seine Blütezeit im 19. Jahrhundert hatte und das bis heute nicht totzukriegen ist. Denn der Entwicklungsroman, eine auf die Entwicklung und Bildung eines Charakters konzentrierte Erzählung, zielt auf die Ausbildung einer bürgerlichen Identität. Und die ist heute noch gefragt, wenn auch zunehmend am Verschwinden.

Eventually jedenfalls. Und Obacht, liebe Kollegen, das heißt nicht eventuell. Aber ihr denkt wahrscheinlich sowieso in größeren Kategorien und hofft: feel Ruhm, feel Air.