Sie fand sich auf allen Bühnen der Welt zurecht

Ein Bilderbogen aus dem Leben von Loki Schmidt

Das, was sie erlebt hat, passe normalerweise gar nicht in ein einziges Leben, hat Loki Schmidt einmal gesagt. Neun Jahrzehnte voller Höhen und Tiefen, aber eines hat sie nie vergessen, auch als sie mit Japans Kaiser Hirohito über die Faszination von Fischen sprach: wo sie herkommt. Wahrscheinlich mochten sie die Menschen deshalb auch so gerne, weil Loki Schmidt zeit ihres Lebens nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sie ein Arbeiterkind war. Geboren in Barmbek, aufgewachsen in Hammerbrook mit fünf Menschen auf 28 Quadratmetern. Da war kein Platz zum Jammern. Da paarten sich Härte und Fröhlichkeit, Durchsetzungsvermögen und Herzlichkeit.

Und so fand sich Loki Schmidt ein Leben lang auf sämtlichen Bühnen dieser Welt zurecht. Sie "umarmte die Bedingungen ihres Lebens", hat die "Zeit" einmal geschrieben. Sie hielt sich nicht lange mit Dingen auf, die sie eh nicht ändern konnte. Sie lebte nach vorne. Wurde Lehrerin, Naturschützerin, Autorin. Und verlor nicht viele Worte über die Schicksalsschläge wie den Tod ihres ersten Sohnes, der nur sieben Monate alt wurde. Und die sechs Fehlgeburten, die sie erlitt. Sie traute dem Glück nie so richtig. "Glück ist ja eine Sache, die man definieren muss. Der Zustand, der andauert, ist eher Zufriedenheit", hat sie gesagt. "Glück ist der eine Funke dazwischen, der eine Augenblick."